Lukaku spielt katz und maus mit neapel – belgien-reha wird zum krimi

Romelu Lukaku bleibt in Belgien. Der Stürmer ist trotz Ultimatum nicht zum Training des SSC Neapel erschienen und zieht damit den nächsten Schritt in seinem offenen Clinch mit dem Klub. Die Bosse in Campania reagierten umgehend: „Disziplinarmaßnahmen“ werden geprüft, kursiert Geldstrafe bereits durch.

Der 32-Jährige hatte sich nach der Länderspielpause in Antwerpen untersuchen lassen. Diagnose: Entzündung im Hüftbeuger. Statt in Neapels Sanitätstrakt ließ er sich sofort in Belgien behandeln – mit dem Segen seiner Physios, nicht aber mit dem des Vereins. „Ich will bereit sein, wenn man mich braucht“, rechtfertigte er sich. Doch wer braucht einen Spieler, der sich eigenmächtig ins Ausland absetzt?

Die chronologie eines eigentors

Freitag: Klub setzt Frist bis Dienstag. Dienstag: Kein Lukaku. Mittwoch: Verein veröffentlicht knappes Statement, in dem von „weiteren Konsequenzen“ die Rede ist. Kleine Liga, großes Echo. Denn der Belgier war erst im Januar nach monatelanger Abwesenheit zurückgekehrt – sieben Kurzeinsätze, keine Tore, nur 96 Ballkontakte seit seinem Comeback. Für einen Mann, der mit 115 Millionen Euro Ablage einst die teuersten Nummer neun der Welt markierte, ist das sportliche wie psychologische Armutszeugnis.

Hinter den Kulissen sickert durch: Trainer Antonio Conte – ohnehin kein Freund von Superstars, die sich extrahieren – soll die sportliche Leitung gebeten haben, das Manöver nicht durchgehen zu lassen. Die Antwort des Spielers: Schweigen. Sein Berater sprach von „medizinischer Notwendigkeit“. Der Klub kontert mit Vertragsparagraph 4.2, der Heilbehandlungen vor Ort vorschreibt. Juristen wittern ein klassisches Fallstrick-Spiel: Wer zuerst blinzelt, verliert.

Die rechnung ohne den torjäger

Die rechnung ohne den torjäger

Neapel zittert um die Champions-League-Plätze. Mit 61 Punkten hängt die Mannschaft momentan im Gleichschritt mit Atalanta und Florenz. Fehlt der einzige klassischen Mittelstürmer in den letzten sieben Saisonspielen, wird die Luft dünn. Lukaku selbst aber spielt ein anderes Spiel: Er bucht seine privaten Flugstunden, lässt sich von belgischen Medien fotografieren, wie er an der North Sea Cycling Route sprintet – Imagepflege statt Klubtreue.

Laut Gazzetta dello Sport ist eine Suspendierung für Spiele und Training denkbar, womit Lukaku kein Anspruch auf Gehalt hätte. Die Summe: rund 2,3 Millionen brutto bis Saisonende. Ein Schlag ins Kontor, selbst für einen Millionär. Noch härtere Sanktionen wie Vertragsauflösung sind rechtlich kompliziert, aber nicht ausgeschlossen. Die Fans spalten sich: Die einen fordern Härte, die anderen verstehen den Stürmer, der nach der schweren Oberschenkelverletzung nicht wieder in denselben Fehlgräten behandelt werden will.

Die Wahrheit liegt woanders: Lukaku will weg. Seit Monaten kursieren Gerüchte über ein Leihgeschäft nach Saudi-Arabien oder die MLS. Indem er sich der Klubkontrolle entzieht, erhöht er den Druck, zugleich schützt er sich vor erneuten Muskelrissen – ein riskantes Schachspiel mit dem Zeitpunkt seiner fitnessmedizinischen Einschätzung. Bleibt die Frage: Wer zieht den kürzeren Hebel, ein 32-jähriger Angreifer auf Abruf oder ein italienischer Topklub, der dringend Tore braucht?

Entscheidung fällt am Donnerstagvormittag: Vorstand, Trainer, Mediziner. Drei Szenarien stehen zur Debatte: Geldstrafe plus Rückkehr, Suspendierung auf unbestimmte Zeit, sofortige Trennung. Keine Variante ist für Neapel komfortabel. Alle sind symptomatisch für einen Klub, der in dieser Saison mit 47 Verletzten Fälle europaweit die Negativliste anführt. Man könnte spotten: Ein krankes System trifft auf einen Spieler, der sich selbst zum Arzt macht. Am Ende steht ein Fakt: Lukaku wird nicht mehr lange in Neapel spielen. Die Frage ist nur, wer den Abschied zahlt – und wie teuer er wird.