Liverpool patzt spät – champions-league-traum rutscht durch die finger
90. Minute, Anfield tobt – und dann der Schock: Richarlison schlägt ein, die Reds zittern sich einen 1:1-Fettkracher gegen ein Tottenham-Schattenteam. Die Champions-League-Ränge sind zwei Punkte entfernt, die Stimmung auf der Tribüne kippt in Buh-Rufe.
Slot-generalprobe misslingt vor gala-dienstag
Arne Slot wollte Schwung mitnehmen ins Rückspiel gegen Galatasaray, stattdessen servierte seine Elf dieselbe Saison-Antiquiertheit: Ballbesitz ohne Durchschlagskraft, ein frühes Szoboszlai-Kunstschuss-Tor (18.) als Alibi. Florian Wirtz, erst zum zweiten Mal nach seiner Patellasehnen-Pause von Beginn an, musste in der 64. Minute runter – die Beine noch nicht ganz auf Vollgas, der Kopf schon wieder in der Reha-Warteschleife.
Die Statistik nagt an der Moral: acht Gegentore nach der 90. Minute – ein Klub-Rekord in der Premier-League-Ära. 2010/11 war das bisherige Makro, jetzt ist es Mikro am Mikrofon von Jamie Carragher: „Furchtbare Leistung. Entweder passt der Trainer oder der Kader – vielleicht beides nicht.“ Roy Keane polierte nach: „Anfängerfehler, Verantwortung duckt sich im Tunnel.“

Tottenham rettet sich, abstiegsgrauen bleibt
Für die Spurs ist der Punkt ein Rettungsring, der aber kaum Luft hat. Sechs Liga-Niederlagen in Serie, Platz 16, nur einen Zähler Vorsprung auf die Roten Laterne. Interimscoach Igor Tudor darf sich freuen, dass Richarlison seine Dürre stoppte – doch das 2:5 gegen Atlético Madrid schwebt schwerer über London als jede Hoffnung.
Positiv-Highlight in Rot: Rio Ngumoha. Der 17-Jährige nagelte sieben Dribblings an die Statistikwand – so viele wie kein Teenager seit Opta die Daten sammelt. Slot: „Er war eine Dauerfaust am Rande des Strafraums, das einzige Plus heute.“
Szoboszlai schlug nach dem Abpfiffer den Satz an die Wand, der in den Sozialen Netzen viral geht: „Wenn wir so weitermachen, können wir uns auf die Conference League freuen.“ Vier direkte Freistoßtreffer in einer Saison – nur Beckham und Robert trafen öfter, doch der Ungar würde alle Kunstschüsse gegen eine Top-Vier-Platzierung tauschen.
Die Reds reisen mit blutenden Nägeln nach Istanbul. Das 0:1 aus dem Hinspiel kitzelt die Achillesferse, die Anfield-Fans wittern nach 90 Minuten Gegenpressing-Kater erstmals seit Jahren den Gestank einer Saison ohne internationale Königsklasse. Die Uhr tickt – für Wirtz, für Slot, für einen Traditionsklub, der plötzlich wieder lernen muss, dass spät nicht gleich sicher ist.
