Lindsey vonn eröffnet ihr privates kreuzband-impfzentrum – mit schwester als patientin nummer zwei

Lindsey Vonn hat das, was andere Sportler fürchten, längst zur Routine erklärt: Kreuzbandrisse. Doch diesmal ist sie nicht allein Betroffene, sondern auch Behandlerin. Ihre jüngere Schwester Karin Kildow riss sich das vordere Kreuzband – und landet prompt in Lindsey Vonn’s „Reha-Center“, wie die 41-Jährige auf Instagram verkündet.

Das video, das die ski-welt zum schmunzeln bringt

Die Szenerie: ein Keller-Kraftkammer, Sterilicht, Eisengeruch. Vonn liegt auf einer Bank, linkes Knie in einer stabilisierenden Bandage. Die Tür geht auf – hereinschwankt Kildow, rechtes Bein in einer XXL-Schiene, Krücken unter den Achseln. Trotzdem grinst sie breit, wedelt mit einer Krücke in die Kamera. „Patient Nr. 2“, kommentiert Vonn trocken, „willkommen im Vonn-Reha-Center.“

Ein zweiter Clip zeigt, wie die viermalige Gesamtweltcupsiegerin die Kniescheibenmobilität ihrer Schwester testet – die sich dabei diebisch freut: „Erster Termin bei meiner neuen Physio. Soll ich sie bezahlen?“ Spaß auf Kosten der Schmerzen, typisch Ski-Circus.

Der Hintergrund: Bereits Ende Januar riss sich Vonn bei einem Trainingssturz das Kreuzband. Wenige Wochen später das Déjà-vu für die Familie – nur dass Kildow nicht auf der Piste, sondern im Alltag hinfiel. Details zum Unfall schweigt das Duo.

Ein klinik-clan mit geschichte

Ein klinik-clan mit geschichte

Für Vonn ist es der dritte vordere Kreuzbandriss, für Kildow der erste. Die US-Amerikanerin kennt jede Phase des Rehab-Alltags: Schmerz, Bluterguss, Muskelkater, mentale Lethargie. „Ich habe Alarmschlösser für meine Knie“, sagte sie einmal dem Radiosender ESPN Denver. Jetzt teilt sie ihr Wissen – und offenbar auch ihre Therapeuten.

Die Ironie: Kaum jemand im Weltcup verbindet Erfolg und Verletzung so sehr wie Vonn. 2013 Schladming: spektakulärer Super-G-Sturz, Kreuzband weg, Olympiatraum auf Eis. 2018 Pyeongchang: erneuter Bandscheibenschock, drohende Amputation, trotzdem Start. Dazwischen zahllose Mikro-Traumata, Meniskus, Sehnen, Gelenkschmiere – ein Körper wie ein Werkstattboden.

Kurz nach dem jüngsten Sturz kündigte Vonn an, sich künftig auf Film- und Fernsehprojekte zu konzentrieren. Produzieren statt rasen. Doch die Piste lässt sie nicht los – zumindest als Mentorin. „Wenn ich meine Schwester gesund bekomme, ist das mein persönlicher Weltcup-Sieg“, sagt sie im Video. Klingt nach PR-Satz, wirkt aber ehrlich, weil sie selbst spürt, wie einsam Verletzte sind.

Was die zahlen sagen

Was die zahlen sagen

Laut der Internationalen Skiföderation FIS kreuzten sich allein in dieser Saison 14 Athletinnen und Athleten die Bänder – Tendenz steigend, weil die Geschwindigkeiten zunehmen und die Materialien härter werden. Die Reha-Dauer: sechs bis neun Monate, wenn alles glatt läuft. Die Wiederholungsquote: 20 Prozent innerhalb von drei Jahren. Die Psyche wird selten gezählt.

Vonn und Kildow demonstrieren das Gegenteil: Sie filmen, lachen, machen sich über ihr Schicksal lustig – und senden ein Signal an jeden Freizeitsportler, der gerade auf Krücken humpelt. Man muss nicht alleine heulen im Keller, man darf auch zusammen heulen im Fitnessraum. Die Kraft daraus kommt nicht vom Knie, sondern vom Kopf.

Für die Skiszene heißt das: Die wohl bekannteste Schwesterntruppe des alpinen Sports bleibt präsent, auch ohne Startnummer. Sponsoren bleiben dran, TV-Teams bleiben dran, die Marke Vonn-Kildow gewinnt eine neue Facette – die der gebrochenen, aber ungebrochenen Geschwister.

Der Kalender tickt. In elf Monaten startet die nächste Weltcup-Saison. Ob wir Kildow dort sehen? Unklar. Ob wir Vonn als Coach oder Co-Commentatorin sehen? Wahrscheinlicher. Auf jeden Fall werden wir sie gemeinsam sehen – mindestens auf Instagram, bestenfalls auf der Piste. Bis dahin heißt es: Reha statt Rennen. Und die nächste Krücke klopft bestimmt schon an die Tür des Vonn-Reha-Centers.