Kristallkugel weg, podest weg – deutschlands biathletinnen verabschieden sich mit einem achziger
Holmenkollen ist kein Ort der Träume mehr, sondern der nüchternen Abrechnung. Mit Rang 16 durch Vanessa Voigt schafften die DSV-Frauen beim Sprint-Finale gerade mal den Anschluss ans Mittelfeld – und verabschieden sich aus einem Winter, der nur noch in der Statistik nachhallt.
Lou jeanmonnot krönt sich vorzeitig, deutschland krönt sich mit silberlack
Die Französin fuhr nach 6:14 Minuten Rückstand ins Ziel, reichte aber, um die Gesamtwertung sicherzustellen. Ein Jahr nach dem Showdown gegen Franziska Preuß holt sie sich die große Kugel – und wir holen uns den salzigen Geschmack eines Winters, der keinen einzigen Weltcup-Sieg der deutschen Frauen gebracht hat. Historie. Erstmals seit Einführung der Weltcup-Siege 1982.
Der norwegische Schneeregen passte zur Stimmung. Hanna Öberg ging fehlerfrei, 20:20,4 Minuten, ein Handschlag mit der Uhr. Ihre Schwester Elvira folgte als Dritte, dazwischen schob sich Lisa Vittozzi, die Italienerin, die diesen Winter schon öfter die deutsche Seele leckte. Drei Länder auf dem Podest – kein deutsches Trikot darunter.

Strafraum statt siegesraum
Voigts eine Fehlschuss, kostete 25 Sekunden plus Nachlauf. Dahinter folgte ein Abstand, der sich anfühlte wie ein Kontinent. Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und Selina Grotian schafften es noch in die Top-25 – mehr war nicht drin. Die Verfolgung von morgen beginnt für sie wie ein Nachsitzen: Startlöcher 16, 18, 21. Wer von hinten aufschließt, braucht nicht nur Ski, sondern ein Wunder.
Und trotzdem: Die Nationenwertung steht noch. Die Finninnen sind Sechste, die deutsche Führung beträgt 184 Punkte – ein Polster, das so dick ist wie das Eis auf dem Oslofjord. Silber im Kampf um die Heilige Schale ist möglich, Gold für das Einzelrennen nicht.
Die Uhr tickt. Fünf Starts bis Sonntag, fünf letzte Chancen, das Schamrot aus den Wangen zu waschen. Die Männer kommen heute um 16.15 Uhr, danach Doppel-Verfolgung, danach Massenstart – und danach, so fürchte ich, eine Statistik, die sich wie ein Schnupfen an die Geschichtsbücher heftet.
Holmenkollen wird wieder schweigen, die Kugel rollt nach Frankreich. Wir bleiben zurück mit der Gewissheit: Ohne Treffer vor dem Pulverfass läuft selbst der beste Ski nur zur Nebensache.
