Lewandowski wirft das polnische handtuch: 89 tore reichen nicht fürs letzte
3:2 in Chorzów, 89 Länderspieltore, 165 Einsätze – und trotzdem ist Robert Lewandowski mit leeren Händen daheimgeblieben. Die Niederlage gegen Schweden in der Play-off-Endrunde war nicht nur das Aus für Polen beim Weltcup in Nordamerika, sondern offenbar auch das Aus für Polens Superstar im Nationaltrikot.
Ein video, ein lied, ein abschied
Kein einziges Wort brauchte er. Lewandowski postete ein 15-Sekunden-Clip: Er trabt in Richtung Südkurve, hebt das Armband, winkt. Im Hintergrund läuft Time to Say Goodbye. Das Instagram-Video wurde innerhalb von 30 Minuten über eine Million Mal abgerufen – und die Kommentarsektion füllte sich mit Tränen-Emojis und Dankesworten. Der 37-Jährige hatte nie viel für große Ankündigungen übrig, seine Körpersprache reicht.
Die Zahlen sind absurd: Seit seinem Debüt 2008 traf er in jedem vierten Länderspiel. Kein Pole kam je öfter zum Einsatz, keiner öfter zum Jubeln. Dennoz: Die große Trophäe blieb ihm mit der Nationalmannschaft verwehnt. Bei der EM 2016 schrammten sie als Viertelfinalist knapp am Halbfinale vorbei, bei der WM 2018 und 2022 blieb schon die Vorrunde die Endstation. Die Play-off-Pleite gegen Schweden war die dritte WM-Quali-Klatsche seiner Laufbahn – und offenbar die finale.

Barça, familie, zukunft
In Barcelona schuftet er weiter, 17 Saisontore stehen bislang zu Buche. Lewandowski wird nicht einfach aufhören, er wird nur umschalten: Weniger Reisen, mehr Zeit mit Ehefrau Anna und den Töchtern. Klubchef Laporta hatte schon signalisiert, dass er den Torjäger „mindestens bis 2025“ festnageln will. Die katalanischen Stürmer sind jung, Lewandowski liefert die Klinik – und Polen muss ohne ihn einen neuen Anführer finden.
Die Nachfolger stehen bereit: Krzysztof Piątek und Arkadiusz Milik haben zusammen gerade mal 37 Treffer, weniger als Lewandowski allein. Trainer Fernando Santos muss nun ein System ohne Fixpunkt erfinden. Die Qualität wird sinken, das ist keine Prophezeiung, sondern Mathematik.
Während die polnische FA noch auf ein offizielles Statement wartet, tröstet sich das Land mit Rekorden. Aber Rekorde kann man nicht einwechseln, wenn in der 90. Minute der Ball im Strafraum segelt. Lewandowski wollte seine Geschichte mit einem letzten WM-Auftritt krönen. Stattdessen endet sie mit einem Lied, das jeder kennt – und keiner hören will.
