Gravina blockt rücktritt und bittet gattuso: ‚bleib, rino!‘
Gabriele Gravina schlägt mit flacher Hand auf das Pult, die Stimme zittert vor Wut. ‚Ich habe Rino gebeten zu bleiben. Er ist ein großer Trainer.‘ Sekunden nach dem 1:2 in Zenica verwandelt sich die Pressekonferenz in ein Tribunal – und der FIGC-Präsident zum Ankläger gegen die eigene Politik.
Die nacht, in der italien wieder abstürzt
Die Azzurri verpassen zum dritten Mal hintereinander eine Weltmeisterschaft. Doch statt Schuld einzuklagen, wirft Gravina den Ball zurück: ‚Die Jungs waren heldenhaft. Die technische Komponente muss geschützt werden.‘ Die Aussage ist ein Seitenhieb gegen die Serie A, die ihm laut eigener Worte „nicht das Material liefert, das wir brauchen“.
Seinen Job will er nicht kampflos räumen. ‚Ein Rücktritt auf Druck ist Feigheit. Das Consiglio Federale tagt nächste Woche, dort wird entschieden – nicht auf Twitter.‘ Dabei spürt man, dass der 72-Jährige die Rufe nach seinem Kopf schon lange vorhersah. Seit Monaten kursiert ein internes Papier, das die strukturelle Lücke zwischen U21 und Senior beschreibt: 43 % der italienischen Profis sind ü23, aber nur 11 % sammeln regelmäßig Spielzeit. Die Zahlen sprechen gegen ihn.

Buffon klingt wie ein nachruf
Gigi Buffon, mittlerweile Delegierter, wirkt gezeichnet. ‚Unsere Saison endet im Juni, wir bleiben aus Respekt. Danach sehen wir weiter.‘ Das klingt nach Abschied, aber ohne Datum. Es ist das erste Mal, dass der Rekordnationalspieler von „Respekt“ spricht statt von „Mission“. Ein Satz, der mehr Gewicht hat als jede Rücktrittsankündigung.
Gravina rudert zurück, wo er attackiert. Zum Schiedsrichter sagt er: ‚In so einem Spiel verdienen einige Entscheidungen mehr Nachbohren.‘ Doch dann dreht er den Spieß um: ‚Wir müssen neu denken, ohne dass uns Bitterheit blind macht.‘ Die Bitterheit sitzt tief – nicht nur wegen des Ausscheidens, sondern weil der Präsident weiß: Seine Amtszeit wird nun auf diese 180 Minuten gegen Bosnien reduziert.
Der Countdown läuft. Wenn der Consiglio Federale tagt, steht nicht nur Gattusos Job auf dem Spiel, sondern das gesamte Modell des italienischen Profifußballs. Gravina hat die Wahl: Reform oder Rücktritt. Beides tut weh.
