Leverkusen: elf millionen-fehltransfers und ein trainer auf der suche

Bayer Leverkusen steckt in einer Krise, die weit über die Ergebnisse auf dem Platz hinausgeht. Die Pokal-Pleite gegen Bayern München offenbarte eine erschreckende Realität: Ein Kader, der auf dem Papier starren sollte, entpuppt sich als Millionengrab. Der Traum von Europa, der noch vor wenigen Wochen so lebendig schien, schwindet mit jeder weiteren enttäuschenden Leistung.

Die teuren fehlentscheidungen im sommer 2025

Die Leverkusener Verantwortlichen um Simon Rolfes und Fernando Carro hatten im vergangenen Sommer tief in die Tasche gegriffen, um nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Tah, Xhaka, Wirtz und Frimpong frischen Wind in den Kader zu bringen. Doch was folgte, gleicht einem Lehrstück darüber, wie Transferpolitik schiefgehen kann. Fünf der sieben teuersten Neuzugänge in der Vereinsgeschichte stammen aus dieser Transferperiode: Tillman (35 Millionen Euro), Quansah (35), Ben Seghir (32), Fernández (25) und Badé (25).

Einziger Lichtblick in dieser Riege ist Jarell Quansah, der sich als Stammspieler etabliert hat. Doch das Quartett Tillman, Ben Seghir, Fernández und Badé verbrachte den Mittwochabend, an dem das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Bayern München verloren ging, weitgehend auf der Bank. Eine bittere Ironie, wenn man bedenkt, dass diese vier Spieler insgesamt 117 Millionen Euro gekostet haben – ein astronomischer Betrag für Spieler, die kaum eine Rolle spielen.

Was hat die Leverkusener Führung erwartet? Die Hoffnung war, dass diese neuen Stars die Abgänge nahtlos kompensieren würden. Doch die Realität sieht anders aus: Viele der teuren Neuzugänge finden sich nur schwer in der Mannschaft, und ihre Leistungen sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ein zentraler Grund für die enttäuschende Rückrunde ist die fehlende Konstanz und die spürbare Energie, die der Mannschaft fehlt.

Die Situation spitzt sich zu, denn die Ausfälle sind kein Einzelfall. Auch Talente wie Axel Tape und Tim Oermann, die mit viel Tamtam geholt wurden, finden kaum statt. Die Lobeshymnen auf ihre Trainingsleistungen klingen hohl, wenn man bedenkt, dass Oermann lediglich 16 Minuten Einsatzzeit erhielt.

Kasper hjulmands dilemma: wer spielt, wer sitzt?

Kasper hjulmands dilemma: wer spielt, wer sitzt?

Trainer Kasper Hjulmand steht vor einem schwierigen Dilemma. Kann er aus diesem teuren Kader noch etwas zu machen? Oder ist der Umbruch im Sommer 2025 schlichtweg zu verfrüht und zu unglücklich verlaufen?

Die Tatsache, dass Hjulmand in den jüngsten Partien gegen Augsburg und Bayern München sein Wechselkontingent nicht einmal voll ausschöpfte und stattdessen auf den Einsatz hochbezahlter Neuzugänge verzichtete, wirft ein schlechtes Licht auf die Situation. Besonders der Fall Ben Seghir, für den der Verein 32 Millionen Euro investierte, ist symptomatisch: In dieser Saison kommt er lediglich auf sieben Einsätze und 196 Minuten Spielzeit.

Der Abstand zu den Top-Teams ist mittlerweile gewaltig. Borussia Dortmund hat sich mit einem komfortablen Vorsprung von zwölf Punkten abgesetzt, und selbst der 1. FC Köln steht besser da. Die Worte, die Hjulmand nach dem Pokal-Aus wählte – von einer Mannschaft „auf einem guten Weg“ – wirken angesichts der Lage absurd. Eine Selbsttäuschung, die kaum jemand teilen dürfte.

Die Saison 2025/2026 in Leverkusen wird als ein Lehrjahr in die Vereinsgeschichte eingehen. Ein Umbruch dieser Größenordnung ist immer mit Risiken verbunden, aber die Art und Weise, wie er hier umgesetzt wurde, ist fragwürdig. Ob die Verantwortlichen daraus die richtigen Lehren ziehen können, wird die Zukunft zeigen. Denn eines ist klar: So kann es nicht weitergehen.