Lenz hächler rast in den weltcup: europacup-sieg mit 266-punkte-vorsprung

Ein einziger Schwung reichte. Lenz Hächler legte sich am Sonntag in Saalbach mit Startnummer 13 in die Schusslinie, jagte 65 Sekunden durch die Pulverschneebahn und fuhr sich mit 0,17 Sekunden Rückstand auf den Tagessieger die Startberechtigung für alle Weltcup-Super-G der kommenden Saison. Der 22-jährige Zuger verwandelte damit die Europacup-Gesamtwertung in eine Privatfeier: 266 Punkte Vorsprung, Titel gebucht, Ticket gelöst.

Der plan ging auf – und wie

Schon vor dem Finale hatte Hächler mit der Disziplinenwertung geliebäugelt, doch wer ihn kennt, weiß: Er will alles. Also attackierte er im Super-G, ließ die Norweger Grahl-Madsen und Christiansen stehen und schraubte sich mit 445 Punkten an die Spitze. Lars Rösti, sein einziger ernsthafter Verfolger, rutschte auf den vierten Rang ab – sechs Punkte fehlten dem Berner für Podestplatz drei. Die Zahl mag klein klingen, in der Europacup-Wertung ist das ein Abgrund.

Die Szene feierte Hächler als neuen Helden. 13 Weltcup-Einsätze stehen in seinem Pass, elf davon im Riesenslalom. Dort hatte er schon in der vergangenen Saison den Europacup gewonnen und damit erste Wehen des Durchbruchs verspürt. Nun folgt die große Bühne. „Ich wollte mir den Startplatz erkämpfen, nicht geschenkt bekommen“, sagte er nach dem Rennen, die Stimme rau vom kalten Föhn, der über die Hangkante pfeift. Die Worte klingen wie ein Versprechen an jeden, der seine Karriere seit den Juniorenzeiten verfolgt hat.

Ein punkt fehlt – das nächste ziel steht

Ein punkt fehlt – das nächste ziel steht

Nur in der Abfahrt blieb die Top-3-Lücke. Ein einziger Zähler trennt ihn vom Podest, ein Detail, das Hächler selbst anspricht, ohne Mitleid zu heischen. „Ich weiß, wo ich mich steigern muss.“ Die Formulierung ist typisch für einen Athleten, der in jeder Trainingswoche zwei, drei Zehntel aus dem Material quetscht. Sein Servicemann Andi bestätigt: „Er schickt mir per WhatsApp die Split-Zeiten, bevor ich die Skis geschliffen habe.“

Die nächste Saison wird ein Quantensprung. Statt 13 Startlisten dürften es 30, 35 werden, wenn sich die Speed-Staffel der Swiss-Ski-Equipe auf Weltcup-Tour quer durch Nordamerika und Europa bewegt. Die Verträge liegen unterschriftsreif in St. Moritz, die Ausrüstungsindustrie buhlt um ihn. Doch Hächler bleibt, was er ist: Ein Zuger, der morgens um sechs den Ritt über den Zugerberg zieht, bevor er ins Training fährt. Die Medien nennen es Bodenhaftung, er nennt es Alltag.

Die Devise für den Winter lautet: Punkte statt Platzierungen. Wer in den Top-30 landet, darf in Kitzbühel, Wengen und Beaver Creek starten. Wer dort startet, kann sich für die Weltmeisterschaft in Saalbach qualifizieren – dem Ort, an dem er gerade Geschichte schrieb. Die Ironie macht ihn lachen: „Vielleicht schreibt sich das Karma so.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 445 Punkte in 6 Rennen, 266 Vorsprung, ein fixer Weltcup-Platz. Und eine Aussage, die niemand mehr ignorieren kann: Lenz Hächler ist kein Geheimtipp mehr – er ist eine Bank.