Gensheimer vor dem aus: löwen zögern, sportchef-experiment könnte scheitern
Uwe Gensheimer hat als Aktiver zwei Klubs geprägt, als Manager hält er nach neun Monaten schon die Zange in der Hand. Im Mannheimer Kicker-Kreis spricht man offen von „konstruktiver Unzufriedenheit“, und das ist im Klub-Jargon so viel wie: Wir suchen schon den Nachfolger.
Die Zahlen liefern den Beweis, warum die Geduld schwindet. Der Kader-Umbruch kostete über vier Millionen Euro, brachte aber nur zwei Punkte mehr als im Vorjahr. Holger Bachert und Maik Machulla sollen intern moniert haben, dass Gensheimer Talente aus dem eigenen Nachwuchs vernachlässigt und stattdessen teure Ausländer klarmacht. Wer einen Sportchef einstellt, aber dessen Kompetenzen hinterfragt, zieht irgendwann die Reißleine.

Patrick groetzki rückt nach, gensheimer sinniert über berater-laufbahn
Die Lösung steht schon in den Startlöchern. Patrick Groetzki, 36, Rechtsaußen mit 149 Länderspielen, wird im Sommer die Sportdirektion übernehmen – zunächst parallel, irgendwann vermutlich ganz. Groetzki genießt das Vertrauen der Kabine, spricht die Sprache der Spieler und versteht sich auf Daten statt auf Machtdemos. Für Gensheimer bleibt die Frage, wozu er noch taugt. Eine Trainerlizenz hat er abgebrochen, ein Engagement als Spielerberater soll ihn reizen. Der Markt ist klein, die Konkurrenz groß, und ein gutes Netzwerk allein reicht selten.
Am Samstag empfangen die Löwen die HSG Wetzlar – ein vermeintlicher Routine-Gegner. Doch hinter der Bande laufen die Uhren anders. Je lauter die Sieg-Parolen klingen, desto mehr werten sie als Job-Sicherheit für den Sportchef. Verliert Mannheim, dürfte die interne Diskussion endgültig kippen. Dann wäre Gensheimer schneller wieder weg, als er je zu hoffen wagte.
