Leao zitiert jesus – und liefert milan mit hänge-solo den rest
Rafael Leao trägt diesen Tagen kein Trikot, sondern ein Kreuz. „Tue, was in deiner Macht steht. Das Unmögliche überlasse mir“, postete er auf Instagram, Lukas 1,37. Der Portugiese spricht zu Gott – und zum AC Mailand. Die Botschaft: Ich gebe mir Mühe, mehr geht nicht. Das Stadion lacht darüber, denn gerade in Rom lief das Gegenteil.
Von der tribüne kam ein fluch, nicht ein segen
90 Minuten vorher haderte Tare mit dem Himmel. Der ehemalige Lazio-Direktor schüttelte im Olimpico den Kopf, als Leao nach einem Einwurf erst mal die Seitenlinie entlangschlenderte, während seine Mitspieler bereits im Angriff standen. Kein Sprint, kein Signal, nur ein Gestikulieren Richtung Pulisic, weil der ihm den Ball nicht passte. Die Kamera fängt alles ein. Die Uhr tickt, Milan liegt zurück, und der teuerste Zauberer zieht die Zeit.
Was folgt, ist ein Sammelsurium an Klein-Katastrophen: ausgestreckter Mittelfinger Richtung US-Boy, zweimal abgelehnter Umarmungsversuch von Trainer Pioli, ein Tritt gegen die Kühlbox am Rand. Im Kabinengang dann laute Worte zwischen Leao und Pulisic, berichtet „La Gazzetta“. Keine Frage, wer die Stimmung vergiftet.

Milan zieht die notbremse
Die Konsequenz: Der Klub öffnet den Fluchtmodus. „Wir prüfen jedes ernsthafte Angebot“, sagt ein Insider dem „Corriere della Sera“. Das klingt nach Trennung statt Therapie. Leao, einst als Peter Pan der Serie A gefeiert, verwandelt sich vor laufender Kamera in Captain Chaos. Seine Statistik der Saison: fünf Tore, drei Assists – Zahlen, die ihn in die Ecke „austauschbar“ drängen.
Der Markt wartet bereits. Paris St-Germain soll ein konkretes Paket mit 90 Millionen plus Bonus parat haben. Chelsea beobachtet, Newcastle auch. Für Milan wäre ein Verkauf in diesem Sommer die einzige Option, bevor die Ablöse im nächsten Jahr sinkt. Der Vertrag läuft 2028, doch ein Verlängerungsgespräch stockt seit Wochen.
Leaos Jesus-Zitat wirkt da wie ein Joker, der nicht mehr funktioniert. „Das Unmögliche überlasse mir“ – schön und gut, aber Milan braucht kein Wunder, sondern einen Arbeiter. Jemand, der sprintet, wenn die Uhr auf 89 steht. Jemand, der den Kollegen nicht ausbuht, wenn der Ball nicht kommt. Kurz: einen Profi, nicht einen Prediger.
Die Kurve hat die Nase voll. „Vendilo“ („Verkauft ihn“), steht seit gestern auf einem Banner im Curva Sud. Kein einziger Fan protestiert dagegen. Das ist das echte Urteil – nicht das Evangelium, sondern die Tribune. Und die verdammt nochmal selten lügt.
