Leao und pulisic: handshake nach lazio-krach – milan-duo will torflut gegen turin einläuten

Milanello, Montag, 08:43 Uhr. Rafael Leao streckt die Hand aus, Christian Pulisic ergreift sie – 48 Stunden nach dem Wortgefehl am Olimpico. Die Bilder der Videoanalyse haben gesprochen, der Handschlag besiegelt: Der Traumsturm von Trainer Allegri soll wieder laufen, und zwar am Samstag gegen Turin.

Die szene, die alles auslöste

65. Spielminute gegen Lazio, 0:1-Rückstand. Leao startet links durch, Pulisic sieht ihn nicht, spielt stattdessen in die halbrechte Gasse. Der Portugiese donnert mit erhobenen Armen Richtung Eckfahne, flucht auf Portugiesisch, dann auf Italienisch. Maignan und Allegri eilen herbei, vergeblich. Im Katakombengang geht es weiter, Zeugen sprechen von „Stimmung wie in einer U-Bahn-Raucherei“.

Was folgt, ist Routine bei Milan: Montagmorgen, Konferenzraum Trigoria, 90 Minuten Rohschnitt. Allegri stoppt jeden Ball, stoppelt die Sequenzen auseinander. Ergebnis: 26 Mal suchten sich die beiden Flügel in 90 Minuten – im November waren es 48. Die Zahlen liegen auf dem Tisch wie Beweisstücke. Leao nickt, Pulisic senkt den Blick. Beide sprechen zehn Sätze, mehr nicht. Die Entschuldigung folgt auf dem Rasen, nicht in der Kabine. Keine Umarmung, kein Theater – nur ein schneller Druck der Hände, als würde man einen Vertrag unterschreiben.

595 Minuten, zwei tore – die statistik, die alles erklärt

595 Minuten, zwei tore – die statistik, die alles erklärt

Seit Juli 2023 teilen sich Leao und Pulisic dieselbe Umkleide, doch gemeinsame Spielzeit: kaum vorhanden. 595 Minuten in 21 Partien, zwei Treffer. Dazu kommt der Kalender: Pulisic’ letztes Tor datiert auf den 22. Dezember 2025 – ein Elfmeter in der Conference League gegen Sturm Graz. Seitdem: 14 Partien, 0 Tore. Leao traf nur zweimal in den letzten zehn Einsätzen, beide Male in der Coppa Italia gegen zweitklassige Gegner. Die Muskulatur schmerzt, die Zahlen auch.

Allegri probiert, das Puzzle neu zu setzen. 3-5-2 mit echter Spitze? Leao rutscht raus, Pulisic rückt rein. 4-2-3-1? Dann liegt der US-Boy halbrechts, der Portugiese links. Doch kein System bringt die alte Spritzkraft zurück. Die Wahrheit: Beide sind Außenseiter in einer Mitte, die sie nie gelernt haben. Leao will den Dribbling, nicht den Diagonalpass. Pulisic will die Schnittstelle, nicht die Schachfigur. Die Lösung steht nicht auf dem Taktikbrett, sondern im Kopf.

Champions-league-druck: turin wird zur zitterpartie

Champions-league-druck: turin wird zur zitterpartie

Milan liegt fünf Punkte hinter Bologna, die Relegation für die Königsklasse rückt in ferne Ferne. Das Restprogramm: Turin, Udinese, Inter, Atalanta, Sassuolo. Kein Gegner unter Platz zehn. Allegri braucht drei Siege, sonst droht das Fiasko. Die Leitung will 70 Millionen Euro aus der ChampionsLeague, sonst sinkt die Gehaltsmasse um 15 Prozent. Die Spieler wissen es, die Berater auch.

Deswegen zählt Samstag nicht nur die Hand, sondern der Fuß. Leao will gegen Turin seine fünfte Saison-Amateurkarte voll machen, Pulisic endlich den Bann brechen. In der Kurve singen sie bereits: „Se volete i gol, cantate con noi“ – Wer Tore will, muss mitsingen. Die Stimmen sind rau, die Erwartung auch.

90 Minuten vor dem Duell mit Turin steht das Duo wieder auf dem Trainingsplatz. Leao lacht diesmal, Pulisic gibt ihm ein High-five. Die Kamera zoomt heran, die Reporter schreiben mit. Doch der eigentliche Test beginnt erst am Abend. Keine Umarmungen mehr nötig – nur noch Tore. Alles andere ist PR.