Burkardt will in mainz rächen – götze wartet auf seine revanche
Der Mainzer Angreifer saß letzte Woche 79 Minuten lang auf der schwarz-weißen Bank, sah zu, wie seine Kollegen sich gegen das Schlusslicht Heidenheim abmühten und dachte wahrscheinlich nur: Das war’s noch lange nicht. Jetzt, drei Tage vor dem Auswärtsspiel beim 1. FSV Mainz 05, ist Jonathan Burkardt heiß – und er ist nicht allein.
Mario Götze, 33, dreimal Weltmeister der Herzen, zweimal Bankdrücker in Folge. Die Zahlen irritieren: 0 Minuten gegen St. Pauli, 0 Minuten gegen Heidenheim, obwohl gerade diese Partien seine Finesse im Gewühl gefordt hätten. Stattdessen Arnaud Kalimuendo als falsche Neun, Farès Chaibi als Dribbelmaschine und hintenraus Can Uzun als Joker. Ergebnis: zwei Siege, null Gegentor, null Götze. Ein Sieg ist kein Segen, wenn der Kopf fragt: Warum ich nicht?
Riera spielt poker – und riskiert ein emotionales erdbeben
Albert Riera mag Zahlen, er mag Lösungen, er mag Kontrolle. Was er nicht mag, ist Nostalgie. Deshalb ließ er Burkardt gegen seinen Ex-Klub zunächst draußen, deshalb erklärte er trocken: „Ich brauche eine Extra-Option.“ Die Option sass neben ihm, kaute Kaugummi, nickte höflich. Doch in der Kabine brodelt es. Spieler sprechen von „Respekt-Debatte“, die Fans von „Heimspiel im fremden Stadion“. Denn wer Burkardt kennt, weiß: Der 25-Jährige trägt Mainz noch im Schritt. Elf Jahre Karriere da, drei Kreuzbänderrisse, jedes Mal zurück, jedes Mal applaudiert. Wenn er jetzt einfällt, ist das kein Wechsel – das ist ein Heimspiel im Auswärtstrikot.
Die Statistik lügt nicht: Burkardt erzielte in 126 Bundesliga-Spielen für Mainz 28 Tore, assistierte 13-mal. Gegen Frankfurt traf er nie – weil er nie durfte. Jetzt könnte er als Kapitän ran. Robin Koch gesperrt, Rasmus Kristensen verletzt, Arthur Theate im Aufbau. Die Binde würde passen wie der Schmerz, den Mainz-Fans verspüren, wenn der eigene Sohn sie trifft.

Die defensive wackelt – und keiner schaut mehr hin
Noch vor zwei Monaten hätte die Personalie „drei Innenverteidiger aus“ die Twitter-Timeline in einen Herzinfarkt getrieben. Heute? Schulterzucken. Nathaniel Brown spielt links wie ein Linkshänder, der nie rechts war, Aurèle Amenda liest Räume wie ein Schachcomputer. Nur Nnamdi Collins wirkt noch wie jemand, der zufällig in die Startelf gerutscht ist. Dafür steht jetzt Elias Baum bereit, 20, ohne NHL-Erfahrung, aber mit Selbstvertrauen eines, der in der U19 schon Alaba-Freistöße schlug.
Die Leichtigkeit ist kein Zufall. Riera setzt auf „verteidigen durch Besitzen“, also Ballbesitz als Abwehrzaun. Gegen Mainz wird das schwierig. Die Nullfünfer pressen in einem 4-2-2-2, das sich in Sekundenbruchteilen zu einem 4-4-2 flach verwandelt. Wer raus muss, um den Ball zu holen, ist Götze. Genau deshalb dürfte er jetzt wieder ran. Nicht als Symbol, sondern als Schachfigur.

Götze verlängert – aber erstmal muss er spielen
Intern laufen die Gespräche, heißt es. Gehaltsverzicht, Rollenwechsel, Mentorenfunktion. Götze will bleiben, der Klub will ihn behalten, aber nur, wenn er spielt. Sonst wird er zur teuersten Assistenztrainer-Persönlichkeit der Liga. Gegen Mainz kann er beweisen, dass seine Beine noch jünger sind als seine Ideen. 90 Minuten, 65 Ballkontakte, drei Balleroberungen im letzten Drittel – so lautet die interne Vorgabe. Alles andere sei „Luxus“, sagt Riera. Luxus ist, wenn der Gewinner entscheidet, wer gewinnt.
Und Burkardt? Der schaut aufs Stadiondach, auf die „05“ im Mäusekino, auf die Fans, die ihn einst „Jony“ riefen. Wenn er trifft, wird er nicht jubeln. Das hat er sich geschworen. Aber er wird sich in die Kurve drehen, die Arme heben und ein Bild schießen, das Instagram innerhalb von Minuten sprengt. Dann ist die Bank Vergangenheit, die Zukunft heißt: Kapitän Burkardt trifft gegen die eigene Vergangenheit. Das ist keine Geschichte, das ist ein Skript – und Riera hält den Stift.
