Lägreid gewinnt schieß-chaos von otepää – nawrah trotz drei nachladern achter

Sturla Holm Lägreid fuhr mit nur einer Strafrunde durch den Schneegau von Otepää und nahm sich im Zieldurchgang 14 Sekunden vor dem Rest der Welt. Dahinter räumten sich 29 Biathleten mit fünf, sechs, sieben Fehlern hinten auf – ein Schießspektakel, das selbst die Trainierenden auf den Rängen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ.

Ein sieg, der sich wie ein slalom durchs schießkino anfühlte

Der Norweger verwies Emilien Jacquelin und Landsmann Martin Uldal auf die Plätze zwei und drei, doch die eigentliche Geschichte schrieb der Schießstand. Von 60 Startern trafen 41 beim ersten Anschlag daneben. Die Scheiben klappten so oft nach, dass der Stadionsprecher die Fehlerquote schon fast im Takt rezitierte.

Philipp Nawrath musste drei Mal den Nachlader ziehen, schaffte es dennoch als bester deutscher Skijäger auf Rang acht. Die Zahl klingt bescheiden, ist aber ein Sechstel hinter dem Führenden – bei einer Fehlerdifferenz von minus vier Treffer ein Resultat, das im Lager des Deutschen Skiverbandes für kurzzeitiges Schulterklopfen sorgte.

Das Rennen war zugleich eine Demonstration für die neue Windflaggen-Regel: Böen wehten quer über die 50 Meter, sodann wieder längs – ein Lotteriespiel, das Lägreid mit kühler Zielsetzung zu meistern wusste. „Ich hab einfach nur auf mein Atemmuster geschaut, den Rest erledigt der Finger“, sagte er im ZDF-Interview und klang dabei, als hätte er gerade einen Spargehalt überwiesen.

Der deutsche blick bleibt trotzdem auf kontiolahti gerichtet

Der deutsche blick bleibt trotzdem auf kontiolahti gerichtet

Die Weltcup-Spitze rückt näher, und mit ihr die Frage, ob das DSV-Team die nötige Konstanz findet. Mit Nawrath, der die Top-Ten-Plätze in dieser Saison nun auf fünf hochzählte, und mit Benedikt Doll, der sich nach zwei Fehlern auf Rang 15 wiederfand, haben die deutschen Trainer zumindest Argumente für das nächste Wochenende in Finnland.

Die Zahlen des Tages: 187 Fehlscheiben in 60 Läufen, 47 Strafrunden, 1,2 zusätzliche Kilometer für den Sieger – und trotzdem jubelte nur ein Mann. Sturla Holm Lägreid. Seine Devise: Wer schießt wie ein Automat, darf auch mal laufen wie ein Rentier. Der Rest schaute ihm nach – und musste wieder mit leeren Magazine zurück zur Matte.