Forster verspielt slalom-krönung: gold-triple in cortina geplatzt

Die Niederlage schmeckt bitter wie Metall. Anna-Lena Forster, sonst unantastbar im Slalom, sackte im Ziel auf dem Mono-Ski zusammen und schlug mit der Faust gegen die Schneebrüstung – acht Hundertstel fehlten zur Medaille, eine halbe Sekunde zur eigenen Bestmarke. Nach Gold in Abfahrt und Riesenslalom verpasste die 30-jährige Radolfzellerin im geliebten Slalom von Cortina d'Ampezzo Platz vier und damit das erste Gold-Triple einer deutschen Athletin bei Paralympics seit der Ära Schaffelhuber.

Der fehler, der alles kippte

Schon nach Lauf eins lag sie 1,58 Sekunden zurück, ein Riesenriss. Im zweiten Durchgang riss sie aggressiv an, doch im Mittelteil touchierte sie eine Torstange, verlor Fahrt, verlor Rhythmus. „Ich hab’s gespürt, dass es nicht reicht“, sagte sie später mit zitternder Stimme. Die Endzeit 1:28,12 Minuten blieb 0,43 Sekunden hinter Zhang Wenjing, 0,08 Sekunden hinter Bronze. Der Hattrick nach Pyeongchang 2018 und Peking 2022 ist Geschichte.

Die Konkurrenz war diesmal nicht nur schneller – sie war mutiger. Finnin Nette Kiviranta raste mit minimalem Kantenwinkel, Spanierin Audrey Pascual Seco nutzte die flache Piste wie ein Skateboard, während Forster auf der flachen Passage in Cortina stets ihre Achillesferse hatte. „Ich hasse flache Hänge“, hatte sie vor Jahren schon gesagt. Jetzt holte sie sie ein.

Zwölf medaillen, aber keine 13.

Zwölf medaillen, aber keine 13.

Mit drei Medaillen aus Cortina – Gold, Silber, Vierter – bleibt Forster bei zwölf Winterspiel-Medaillen, sechs davon Gold. Die Schaffelhuber-Marke von 13 steht weiter. Sportdirektorin Martina Völklein versuchte zu trösten: „Anna-Lena hat Geschichte geschrieben, auch ohne das Triple.“ Doch die Athletin selbst wischte sich nur die Schneekristalle aus dem Gesicht und murmelte: „Silber in der Kombi ist schön, aber Slalom ist mein Baby.“

Für den Deutschen Behindertensportbund ist Forster nach wie vor die einzige Goldlieferantin in Cortina. In der stehenden Klasse verabschiedet sich Andrea Rothfuss mit Rang sieben ins Rentenleben, Anna-Maria Rieder verpasst Bronze um 1,13 Sekunden. Und die 17-jährige Maya Fügenschuh belegt mit Guide Johanna Holzmann Platz zehn – viel Zukunft, aber keine Medaille. Die Bilanz bleibt mager, wenn man nicht Forster heißt.

Die Fahrt nach Hause wird schweigsam. Im Gepäck: drei Medaillen, aber die vierte fehlt – und ein neues Ziel: „LA 2028“, flüsterte Forster beim Einsteigen. Die Karriere ist nicht zu Ende, nur die Unbesiegbarkeit ist gerissen.