Vincenzo italiano plant bologna-umdrehung: nur ein schweizer steht im mittelfeld

Vincenzo Italiano hat schon vier Kader-Listen durchgekreidet – und trotzdem wird er am Freitag in Cremona improvisieren müssen. Denn sein Bologna tritt mit einem einzigen echten Sechser an: den Schweizer Odgaard. Alle anderen Mittelfeld-Routiniers fehlen. Das ist das Problem hinter dem großen Turnover, den der Trainer vor dem Europa-League-Viertelfinale gegen Aston Villa (9. April, Dall’Ara ausverkauft) einstudieren will.

Die notlösung heißt bernardeschi

Federico Bernardeschi soll die Lücke füllen. Schon in Turin spielte er als «mezzala», doch das ist zwei Jahre her. Italiano muss ihn nun zwingend zwischen die Linien stellen, will er nicht ganz auf ein Spielsystem verzichten, das seine Elf seit Oktober prägt. Die Rechnung: Cremonese (5. April) wird zum Testlauf, Aston Villa zur Bewährungsprobe. Drei Tage Taktik, ein Training mit Ball, dann Entscheidung.

Die Zahlen zeigen die Dimension des Engpasses: Seit dem 1. Dezember holte Bologna nur sechs Punkte aus zwölf Pflichtspielen. Die Serie begann mit einem 1:2 gegen Cremonese – genau den Gegner, den es nun erneut trifft. Italiano will den Kreis schließen, aber dafür braucht er frische Beine. Die gibt es nur, wenn er umstellt.

Castro oder Dallinga? Die Frage beschäftigt das Trainerteam seit Montag. Der Argentinier blieb mit den Reservisten in Casteldebole, der Niederländer trainierte individuell. Die Tendenz: Dallinga startet in der Liga, Castro rückt für die Europa-League-Partie ins Zentrum. Rechts außen wird die Entscheidung zwischen Orsolini und Bernardeschi fallen – eine weitere Domino-Station im Kartenhaus.

Dominguez, der verlorene 270 minuten-mann

Dominguez, der verlorene 270 minuten-mann

Vor zwölf Monaten stand Benja Dominguez bei 1.000 Spielminuten, heute sind es 730. Die Gründe: Muskelprobleme, taktische Umstellungen, der Aufstieg von Lewis Ferguson. Der Argentinier war einmal der Kopf der Rotation, jetzt ist er Teil der Fragezeichen. Gegen Cremonese dürfte er von der Bank kommen – ein Symbol für den ganzen Umbruch, den Italiano vor dem Villa-Duell durchzieht.

Die Defensive dagegen wirkt überfüllt. Lucumì kehrt aus Kolumbien zurück, Helland träumt vom Debüt, Heggem meldet sich nach Norwegen-Einsätzen ab. Vitik und Casale blieben in Bologna, um Intensiv-Form zu tanken. Italiano hat auf jeder Position zwei Optionen – nur im Zentrum nicht. Wer dort nicht läuft, wird das europäische Viertelfinale nicht gewinnen.

47 Partien, 47 Startformationen – so lautet die Bilanz der Saison. Spiel 48 wird die schwierigste Kopie. Denn wenn Bologna in Cremona stolpert, verflüchtigt sich auch die letzte Atmosphäre des Selbstverständnisses, das seit Leicester und der Europa-League-Gruppenphase über dem Dall’Ara schwebt. Italiano weiß: Er kann nicht rotieren, er muss revolutionieren – und das mit einem Schweizer, einem Ex-Juventino und einem Niederländer, der gerade erst wieder lernt, neunzig Minuten durchzulaufen.