Heidelberg kämpft ums überleben: michael weathers packt über bruder-rauswurf und zukunft aus
Ein Monat vor dem Saisonende steht Michael Weathers vor den Trümmern seiner Heidelberg-Episode – und spricht doch so, als stünde das Wunder noch bevor. Nach dem Rauswurf seines Bruders Marcus, dem Trainerwechsel und sieben Niederlagen in Serie glaubt der 23-Jährige weiter an den Klassenerhalt. „Wir müssen fast alles gewinnen, klar. Aber warum nicht anfangen, indem wir einfach jedes Viertel gewinnen?“
Der bruder-rauswurf traf ihn mitten ins herz
Die Entlassung von Marcus Weathers im Dezember war kein Routine-Personalentscheid. Für Michael war es der emotionale Tiefschlag einer ohnehin chaotischen Saison. „Wir haben unsere Eltern früh verloren, deshalb sind Marcus und ich mehr als Brüder – wir sind ein Team“, sagt er leise. Die Trennung habe ihn „in eine dunkle Stimmung“ gestürzt. Dass die Verpflichtung seines Bruders ursprünglich Bedingung für seinen eigenen Verbleib war, macht den Schritt umso bitterer. „Unglücklich ist das netteste Wort, das ich dafür habe.“
Trotzdem blieb er. Verletzungsbedingt fehlte er Wochen, sah von der Bank, wie die MLP Academics sich selbst zerlegten. „Viele haben sich auf dem Vordermann ausgeruht, der Hunger war weg“, gibt er offen zu. Die Konsequenz: Carlo Finetti ersetzte Danny Jansson, vor allem aber: Heidelberg verabschiedete sich von der Defensive, die sie letztes Jahr zur Überraschung machte.

Finetti statt jansson: neue stimme, alte wunden
„Danny war der entspannte Typ, Carlo fordert uns jeden Tag heraus“, beschreibt Weathers den Kulturwandel. Die Mannschaft spüre, dass „fast alle weg sind nächste Saison“, deshalb gelte es jetzt, „an das Limit zu gehen“. Die Reaktion folgte prompt: ein 93:73-Sieg in Frankfurt, der den Abstand auf Jena auf zwei Siege schrumpfen ließ. Doch die Konstanz fehlt. Nach dem Coup gegen Ulm folgte eine 31-Punkte-Klatsche gegen Rostock. „Wir müssen endlich zwei gute Spiele hintereinander bringen, sonst reicht es nicht“, sagt Weathers und klingt dabei wie ein Kapitän, obwohl sein Schiff bereits leck ist.

Kein blick zurück, nur noch viertel für viertel
Ein Verbleib in Heidelberg schließt er kategorisch aus, ein zweites BBL-Abenteuer in Deutschland erscheint ihm „unwahrscheinlich“. Stattdessen sondieren Agenten aus Spanien, Frankreich und der Türkei den Markt. Doch bevor er die Koffer packt, will er „noch fünf Finals“ gewinnen. Das Restprogramm liest sich wie ein Who-is-Who der Abstiegskonkurrenz: Ludwigsburg, Oldenburg, MBC, Jena, Vechta. „Wenn wir die Defense auf ein neues Level bringen, überraschen wir noch einige Teams“, sagt er und lächelt trotz allem. Der Optimismus klingt nicht gespielt – er klingt wie die letzte Waffe, die ihm bleibt.
Am Samstag gegen Ludwigsburg beginnt die Serie der fünf Finals. Verliert Heidelberg, ist die Saison so gut wie gelaufen. Gewinnt die Academics, lebt das Wunder für weitere 48 Stunden. Für Weathers ist die Rechnung simpel: „Wir haben nichts mehr zu verlieren – außer der Liga.“
