Franziska preuß beendet karriere: „olympia und ich – das war ein fluch“

Sie ging als Letzte, aber nicht als Siegerin. Am 21. Februar, auf der Zielgeraden von Cortina, zog Franziska Preuß die Reißleine – und mit ihr die Bilanz: 13 Jahre Weltcup, zwei WM-Golds, ein Gesamtweltcup, null Olympia-Gold. „Ich habe genug gelitten“, sagt sie. Der Abschied fällt radikal. Kein Comeback, kein Tränenbahnhof, nur eine E-Mail an die Doping-Jäger.

Die nacht, in der sie frei war

Um 0.47 Uhr klingelte das Handy. Preuß lag nicht in dem Bett, das sie angegeben hatte. „Das war die schönste Mail meines Lebens“, erzählt sie im ARD-Studio am Arber. „Ich musste mir keine Adresse mehr notieren, keine Angst haben, dass sie an der Tür stehen.“ Die 31-Jährige lacht, aber es klingt wie ein Seufzer, der zwölf Jahre lang angehalten hatte. Seit 2014 stand sie jeden Tag zur Verfügung – 365 Tage, 24 Stunden. „Ich habe geträumt, dass sie mich im Urlaub am Pool abholen. Dann wachte ich schweißgebadet auf.“

Die Zahlen sind erbarmungslos: fünf Olympia-Starts, zwei Bronzes mit der Staffel, keine Einzelmedaille. „Ich habe mich jedes Mal neu erfunden, und jedes Mal hat es gereicht, um zu scheitern“, sagt sie. Die Saison 2022/23 brach sie nach einer Lungenentzündung ab, kehrte zurück, gewann 2025 die Kristallkugel – und bezahlte den Preis. „Drei Wochen lang durfte ich keine Schwäche zeigen, nicht mal in den Gedanken. Das frisst dich.“

Der deutsche biathlon schaut in ein loch

Der deutsche biathlon schaut in ein loch

Mit Preuß verliert der DSV 42 Prozent seiner Podestpunkte der letzten Olympia-Periode. Schon jetzt ist klar: Ohne sie rutschen die Damen auf Platz sieben der Nationenwertung ab. „Wenn man die Listen studiert, sieht man schwarz auf weiß: Wir hängen hinten“, sagt sie. „Aber vielleicht braucht es diesen Schock, um neu zu denken.“ Namen? Selina Grotian, Julia Tannheimer. „Die haben das Feuer, aber sie brauchen Luft. Früher habe ich die Luft weggenommen.“

Funktionäre haben sie schon gefragt, ob sie mitreden will. „Ich bin keine Beraterin im Anzug“, sagt sie. „Aber wenn sie wissen wollen, wie sich Leistungsdruck anfühlt, rufen sie an.“ Sie wird beim Weltverband bleiben – als Kommentatorin, als Mentorin, vielleicht als Rebellin. „Ich habe gelernt, dass man Regeln brechen muss, um sie zu ändern.“

Am Arber steht sie im Schneeregen, ohne Gewehr, ohne Startnummer. „Ich kann ausschlafen, Sauftour machen, Kartoffelchips zum Frühstück essen“, sagt sie. Dann wird sie ernst: „Aber ich kann auch endlich sagen: Ich habe genug gegeben. Und das genügt mir.“ Sie dreht sich um, geht Richtung Ausgang. Kein Foto, kein Fanblock, nur ein Paar Schritte in normale Schuhe. Zum ersten Mal seit 15 Jahren pfeift niemand nach ihr. Für Franziska Preuß klingt das wie ein Sieg.