Krupp bricht nach zehn jahren wolfsburg-bindung auf – frankfurt lockt
529 DEL-Spiele, zwei Vizemeisterschaften, ein Spitzname wie ein Ehrentitel – und nun ein Schlusspunkt, der selbst im Dressing der Grizzlys für Raunen sorgt. Björn Krupp, 35, Sohn von Legende Uwe und selbst Olympiasilber-Gewinner von 2018, löst sich nach der Pre-Play-off-Pleite gegen Schwenningen aus Wolfsburg und wechselt zu Ligakonkurrent Löwen Frankfurt.
Die zahlen sprechen für sich
Seine Statistik liest sich wie ein Lehrbuch für Nachwuchsverteidiger: 529 Einsätze in der DEL, 19 Partien in der Champions Hockey League, dazu eine Gabe, Gegner in Zweikämpfen zu verunsichern, ohne das Trikot zu verschwenden. „Uwe“ nannten ihn seine Mitspieler – nicht nur wegen des Vaters, sondern weil er auf dem Eis die gleiche Ruhe verströmte. Karl-Heinz Fliegauf, Sportdirektor der Grizzlys, schwärmt noch zwei Tage nach dem Saisonende: „Mit ihm will man sich nicht in die Ecke drängen lassen.“
Doch hinter der Fassade aus Zahlen und Lob steckt ein simpler Grund: Krupp will sich nicht in die zweite Reihe drängen lassen. Nach der Rückkehr aus Mannheim im Sommer 2021 hatte er sich vorgenommen, Wolfsburg wieder auf die Spur der Finalserie zu führen. Es blieb bei Viertel- und Halbfinale – und nun bei einer Entscheidung, die für den Routinier „sportliche Frische“ bedeutet.

Frankfurt plant mit ihm die nächste stufe
Die Löwen haben den Aufsteiger-Modus verlassen und wollen 2027 fest in der Play-off-Riege stehen. Krupp gilt als Mentor für die junge Defensive um Moritz Müller und als erste Adresse für die PK-Unit. Intern kursiert ein Dreijahresvertrag mit Option auf Trainerassistenz – eine Perspektive, die in Wolfsburg nicht auf dem Tisch lag. Fliegauf bestätigt, dass man „kein Gegenangebot gemacht“ habe: „Wir haben seine Gründe akzeptiert, auch wenn es weh tut.“
Für die Grizzlys beginnt nun ein Umbruch, der schon länger schwelt. Mit Krupp verliert das Team nicht nur seine meiste Play-off-Erfahrung, sondern auch eine Stimme im Kader, die zwischen Trainern und Kabine vermittelte. Die Frage, wer künftig die Jungs zusammenschreit, wenn es in der zweiten Drittelpause kriselt, bleibt offen. Kandidaten gibt es wenige – und keinen mit Olympia-Erfahrung.
Krupp selbst reiste am Mittwoch bereits nach Hessen, um sich die neue Arena anzuschauen. „Ich bin nicht zum Ausruhen gekommen“, sagte er kurz, bevor er sein Handy auf Flugmodus schaltete. Für Wolfsburg bleiben 529 Spiele Erinnerung – und eine Lücke, die in der nächsten Saison größer wirkt als jedes Loch in der Abwehr.
