Alisha lehmann trifft gegen ex-klub – und bricht mit dem traum vom titel
38. Minute, King Power Stadium: Alisha Lehmann hebt den Ball aus 16 Metern über Hannah Hampton, trifft zum 1:0 gegen ihren früheren Arbeitgeber – und schlägt sich die Hand vor den Mund. Nicht aus Jubel, aus Wut. Die Schweizerin hat gerade bewiesen, dass sie noch immer Tore schießen kann. Doch das reicht nicht, um Leicester aus der Abstiegszone zu katapultieren. Aston Villa dreht die Partie, Leicester bleibt Tabellenletzter der Women’s Super League.
Der preis des wechsels: vom meisterkandidat zum abstiegskandidaten
Erst im Winter wechselte Lehmann von Como, wo sie noch am 8. Spieltag auf Platz 2 stand, in die englische Liga. Mit Juventus hatte sie 2025 die Serie A gewonnen, mit Como lag sie vor der Winterpause im Soll. Statt um den Titel spielt sie nun um den Klassenerhalt. Die Rechnung ist simpel: Wer oben mitmischt, darf Make-up tragen und TikToks drehen – wer unten steht, wird als Influencerin verkannt.
Die 27-Jährige kennt die Debatte. „Die Leute sehen nicht, wie viel Arbeit ich investiere“, sagt sie im BBC-Interview. „Sie glauben, ich trainiere eine Stunde und gehe dann nach Hause, um Videos zu drehen.“ Die Wahrheit: Schlafmittagchen, Datenauswertung, Extra-Einheit auf dem Platz, wenn die GPS-Werte nicht stimmen. „Ich bin sehr professionell. Ich will die Beste sein.“

Maskara, momente und die frage nach dem aufhören
Hinter dem Tor lag ein halbes Leben. Als Teenager wollte sie aufhöfen, weil Kommentare über ihr Aussehen sie traurig machten. „Ich fragte meine Mutter, ob ich mit Fußball aufhören dürfe“, erinnert sie sich. Heute antwortet sie mit Toren – und mit Zahlen. In den letzten zwei Saisons absolvierte sie 98 % aller möglichen Trainingseinheiten, ihre Sprintwerte liegen im obersten Quartil der WSL. Die Maskara ist noch drauf, aber die Maske ist ab.
Leicester muss nun gegen die drohende Rückrunde bestehen. Fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, acht Spiele noch. Die Causa Lehmann ist damit größer als ein einzelnes Tor. Sie ist ein Lehrstück darüber, wie schnell der Wechsel vom Lieblingsshirt zum Abstiegsgestrick gehen kann. Am Ende zählt nur eins: Ob sie im Mai noch in der ersten Liga steht. Die Zeit läuft, der Countdown hat längst begonnen.
