Fanhetze vor thüringen-pokal-halbfinale: rwe-ultras jagen jena-fans in apolda

Sie wollten nur tanken. Stattdessen landeten zwei junge Männer aus Jena im Krankenhaus, weil ein Autokonvoi sie im Gewerbegebiet Apolda erkannte und zur Strecke brachte. Die Botschaft der Schläger war eindeutig: Wer hier in Schwarz-Weiß fährt, hat kein Recht auf Schonung.

Die hetzjagd begann an der zapfsäule

Kurz nach 22 Uhr, nur 48 Stunden vor dem Pokal-Kracher zwischen Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena, stoppten die beiden 20 und 21 Jahre alten Jenaer an der Shell-Tankstelle Ludwig-Edinger-Straße. Augenzeugen berichten, wie acht bis zehn tiefergelegte Golfs und BMWs sofort ihre Motoren hochdrehten, als hätten sie auf diesen Moment gewartet. „Die haben wie ein Rudel agiert“, sagt ein Mitarbeiter, der die Überwachungsvideos sicherte. „Erst Stalking, dann Jagd.“

Die Verfolgung endete drei Kilometer weiter auf einem verlassenen Industrieparkplatz. Die Jenaer stellten ihren Seat Leon absichtlich rechts ran, um die Kolonne passieren zu lassen. Stattdessen blockierten die Angreifer mit querenden Fahrzeugen die Ausfahrt, rissen die Türen auf und schlugen mit Teleskopschlagstöcken und Ketten auf Fahrzeug und Insassen ein. Die Frontscheibe zersprang in tausende Splitter, die Karosserie trägt heute noch die Delle jedes Schlags.

Polizei schweigt zu rwe-connection

Polizei schweigt zu rwe-connection

Weder Kennzeichen noch Täter sind identifiziert. Die Erfurter Polizei verweigert jede Aussage, ob in den Fokus gewaltbereiter RWE-Szene ermittelt wird. Offiziell lautet der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung und schwerer Sachbeschadigung. Inoffiziell spricht man im Thüringer Landeskriminaldienst von „klassischer Derby-Vorbereitung“. Die Opfer mussten mit Prellungen, Schürfwunden und einer leichten Gehirnerschütterung ins Klinikum Jena, durften das Stadion am Sonntag nur auf dem Beifahrersitz verlassen.

Der Thüringer Fußball-Verband reagierte umgehend: Sicherheitskräfte wurden verdoppelt, Gastzutritt nur noch mit Personalausweis und Klubkarte. Doch das ist Pflaster auf offener Wunde. Denn das Problem sitzt tiefer: Wer sich in Thüringen mit Jena-Farben zeigt, fährt seit Jahren nicht nur nach Gefühl, sondern mit Kalkül Risiko. Die Statistik der Landespolizei listet seit 2020 37 ähnliche Überfälle, Tendenz steigend.

Am Sonntag stehen sich die Erzrivalen im Halbfinale gegenüber. Die Gewalt von Apolda ist längst Teil der Vorberichterstattung. Für die beiden Jenaer bleibt die Frage, warum ein Tankstopp zum Fanal wurde. Die Antwort liegt auf dem Asphalt: In Thüringen reicht schon das falsche Trikot, um zur Zielscheibe zu werden.