Krupp verlässt wolfsburg – 529 spiele, zwei vizemeister und ein neuer kampf
Er kam, sah und prügelte sich durch. Jetzt zieht Björn Krupp die Schuhe aus, die er zehn Jahre lang für die Grizzlys schnürte – und zieht direkt zum Konkurrenten.
Ende einer ära in wolfsburg
529 DEL-Einsätze, 19 Champions-League-Partien, zwei Finalserien – die Zahlen sind schwer, aber das Abschiedsbild ist klar: Nach dem Pre-Play-out gegen Schwenningen („Wir haben verloren, weil wir zu nett waren“, schimpfte Trainer Mike Stewart noch in der Kabine) sitzt der 35-Jährige vor einer leinenweißen Wand und erklärt, warum er Löwen Frankfurt sagt und nicht Grizzlys. „Ich will noch einmal Vollgas geben, nicht nur Dienst nach Vorschrift“, sagt er, ohne Wolfsburg zu bashen. Es klingt trotzdem wie ein Seitenhieb auf einen Klub, der seit 2021 kein Play-off-Mehrgewinn mehr gelandet hat.
Karl-Heinz Fliegauf, Sportboss der Grizzlys, spricht von „einer der konstantesten Figuren, die ich in 25 Jahren Managerleben begleiten durfte“. Dabei weiß jeder in der Helios-Arena: Krupp war mehr als ein Verteidiger. Er war Schiedsrichter-Ansprechpartner, Team-Spiegel, jener Typ, der nach dem 0:3 in München die Kabine dichtmachte und brüllte: „Wenn wir jetzt nicht zusammenrücken, fliegen wir mit breiten Schultern raus!“ Die Saison 2016/17 endete mit dem zweiten Final-Drama gegen München – damals wie heute fehlte am Ende ein Krupp-Tor.

Vom olympia-silber zum abstiegskandidaten
Pyeongchang 2018, 33 Sekunden vor Ende der Verlängerung, Krupp auf dem Eis, als Patrick Reimer das 4:3 gegen Deutschland erzielt. Silber, das größte Stück Metall im deutschen Eishockey seit 1976. Krupp war dabei, aber er spricht selten darüber. „Medaille hingenommen, Koffer zugemacht, weiter“, sagt er. In Wolfsburg wurde daraus nie ein PR-Thema – zu sehr lebte der Sohn von Uwe Krupp im Schatten der eigenen Standards.
Nun also Frankfurt. Die Löwen sind Tabellenletzter, sieben Punkte hinter Schlusslicht Krefeld, das Budget ist laut Insidern auf 5,5 Millionen Euro zusammengeschrumpft. Krupp wird dort nicht nur spielen, sondern laut Vereinssprecher Jan-Axel Alandt „sofort in die Leadership-Gruppe einsteigen“. Sprich: Er soll eine defensiv-leckgewordene Mannschaft wieder auf Kurs bringen, die in 52 Spielen bereits 192 Gegentore kassierte.
Die Ablöse: keine. Krupp war ablösefrei, sein Vertrag in Wolfsburg lief ohnehin aus. Das spart Frankfurt rund 250.000 Euro, die man sonst für Transfergebühren hingeblättert hätte. Für Wolfsburg bedeutet der Abgang ein Minus an Erfahrung, das sich nicht durch Nachwuchs ersetzen lässt. „Wir werden keinen 1-zu-1-Ersatz holen, sondern jünger und schneller werden“, sagt Fliegauf. Das klingt nach Rebuild, nicht nach Play-off-Angriff.

Was krupp mitnimmt – und was bleibt
Er verlässt Wolfsburg mit 1.127 Strafminuten, zwei Vizemeisterschaften und dem Status eines Players, der nie zur All-Star-Wahl kam, aber jede Kabine stabilisierte. „Ich habe keine Bücher geschrieben, keine Shows gemacht – ich habe gearbeitet“, sagt er. Das ist keine Pose, es ist Programm. Frankfurt bekommt einen Spieler, der in der Saison 2023/24 noch 18 Minuten Eiszeit pro Partie kassierte und dabei 87 % der Bullys gewann, die er bestritt.
Die Grizzlys? Sie verlieren nicht nur einen Verteidiger, sondern ein Stück Identität. Wer jetzt in der Kabine „Uwe!“ ruft, bekommt keine Antwort mehr. Die Nummer 44 wird vorerst nicht neu vergeben – ein stiller Gedenkstein für einen Spieler, der nie laut war, aber immer präsent.
Krupp selbst packt die Koffer, lässt sich ein letztes Mal in der Eishalle filmen, wischt sich die Haare aus dem Gesicht und sagt: „Ich habe hier alles gewonnen, außer den Titel. Vielleicht klappt es in Frankfurt – und wenn nicht, dann war’s trotzdem ein guter Kampf.“ Die Uhr tickt. Am 30. März startet das Training in der Mainmetropole. Für ihn beginnt eine neue Saison, für Wolfsburg eine neue Zeitrechnung.
