Kovac zerreißt die kabine, bvb dreht 0:2 – drei elfmeter in 11 minuten
Niko Kovac redete, Dortmund ertränkte den HSV. 0:2 zur Pause, 3:2 nach 90 Minuten – und kein einziger Hamburger Ballkontakt im BVB-Strafraum nach dem Seitenwechsel. Die Zahlen sind so laut, dass selbst Gregor Kobel sie hörte, während er sich nur noch „cool“ fand.
Was sagt ein Trainer, wenn er die Mannschaft in 15 Minuten von Schlafwandler zu Rammstein umprogrammiert? Kovac gibt sich bescheiden: „Es war deutlich.“ Dafür, dass er keine Namen nannte, räumte er die komplette Startelf ab. „Komplett keine gute Leistung“, sagt er und meint damit Daniel Svensson, Luca Reggiani und Felix Nmecha, die den Gegner vor der Pause einluden, zweimal zuzuschlagen.

Elf minuten, drei strafstöße, ein novum
Dann kam die 46. Minute. Ramy Bensebaini trat an, traf. Und wieder. Zwischen seinen Treffern schoss Nmecha den ersten Elfmeter neben das Tor – Geschichte in Schwarz-Gelb, denn nie zuvor bekam Dortmund drei Strafstöße in einem Pflichtspiel. Kovac sah keinen einzigen. „Ich habe es mir abgewöhnt“, sagt er und starrt stattdessen auf seinen Stoffbeutel, als würde dort das Spiel weiterlaufen.
Die Statistik danach liest sich wie ein Satirestück: HSV-Strafraum-Besuche in Hälfte zwei: 0. BVB-Torschüsse innerhalb von 11 Minuten: 3. Kobels Arbeit: Fußwärme. „Ich habe eher zugeschaut, wie die anderen Gas geben“, sagt er und klingt wie ein Fan, der sich Karten für die falsche Tribüne gelöst hat.
Kovac wünscht sich das Feuer von Anfang an. Doch vielleicht braucht dieser neue BVB erst den Schock, um zu erwachen. Am Donnerstag in anderthalb Wochen wartet Stuttgart – und mit ihm die Frage, ob die 15-Minuten-Blitz-Vorstellung eine Eintagsfliege war oder der Startschuss für eine Serie, bei der der Trainer bald wieder wegschauen muss – vor lauter Selbstverständlichkeit.
