Koschinat zieht die klinge: rwe jagt den traum mit offenem visier
Uwe Koschinat hat die Bremse rausgeworfen. Nach dem 3:1 in Schweinfurt donnerte er ins Mikro: „Jetzt greifen wir richtig an.“ Kein Bluff, kein Motivationstrick – ein Gelöbnis. Sechs Siege nacheinander, Tabellenplatz zwei, nur drei Punkte hinter Osnabrück. Der Aufstieg, einst Sehnsucht, ist jetzt Plan.
Der 54-jährige trägt noch die narben aus osnabrück
Dort entließ man ihn im Herbst 2024, weil die Punkte nicht stimmten. Zwei Monate später lud Essen ihn aus dem Kältefach. Er übernahm ein Wrack, drei Zähler vom Abstieg entfernt. Was folgte, war keine Rettung, sondern eine Wandlung: 14 Spiele, 32 Punkte, Klassenerhalt mit Ansage. Diese Saison setzte er den Turbo. Die Mannschaft schwor sich auf seine Mischung aus Faust und Finesse ein.
Koschinat ist kein Schönredner. Am Spielfeldrand explodiert er, tritt gegen Stühle, brüllt Schiedsrichter an. Sekunden nach Abpfiff schaltet er zurück, spricht leise, analytisch. Kein Showmaster, kein Freund von Medienzirkus. Er verlangt Leistung, nicht Likes. Seine Spieler liefern – weil sie ihm glauben, nicht weil sie ihn fürchten.

Am samstag kommt ingolstadt in die hafenstraße
Ein Gegner, der eigentlich zählt, doch in Essen gilt nur noch ein Gesetz: Wer rot-weiß spielt, gewinnt. Die Arena ist seit 14 Wochen ausverkauft, die Fans singen Koschinats Namen, der sich das mit einem süffisanten Lächeln verbittet. Er weiß: Ein Schritt daneben, und die Geschichte kippt. Aber er hat die Kurve gelernt, in Koblenz, Köln, Sandhausen, überall. Diesmal will er sie nicht verlassen, sondern durchfahren.
Die Zahlen sprechen für ihn: 1,9 Punkte pro Spiel seit Amtsantritt, beste Defensive der Rückrunde, sieben Akteure mit zweistelligem Toranteil. Doch Koschinat schwört auf das nächste Spiel. „Erst wenn der Schiri pfeift, trinke ich mein Bier“, sagt er. Dann wird es kalt sein – entweder zur Feier oder zur Erinnerung.
