Korda schlägt alcaraz: wie ein bibelvers den us-boy in miami aufriss
Sebastian Korda trat gegen Carlos Alcaraz an, las einen Bibelspruch – und schmetterte die Weltranglisten-Eins aus dem Turnier. Der 23-Jährige besiegte in Miami erstmals einen Spitzenreiter, und das war nur die Spitze eines Eisbergs aus Sport-Gene, Gold und Glamour.

Vom sprungbrett genesis zum ersten top-1-sieg
„Alles ist möglich für den, der glaubt“ – diese Zeile aus dem Markusevangelium schickt Korda sich morgens an den Court. Kein Ritual, sondern Kommando. Aggressiv, kalkuliert, frei von früherem Overkill. Coach Ryan Harrison verlangte weniger Show, mehr Netzattacke. Ergebnis: 6-4, 6-4 gegen Alcaraz, der plötzlich wie ein Schuljunge wirkte, der sein Pensum vergessen hat.
Die Zahle klatscht ins Gesicht: 14 Winner, 9 unerzwungene Fehler, 83 % Erfolgquote am Netz. Das war kein Glückstag, sondern ein Lehrstück in präziser Entschleunigung.
Doch die Story beginnt lange vor dem ersten Aufschlag. Vater Petr war 1998 Welt-Zweiter und Australian-Open-Sieger; Mutter Regina Rajchrtova rangierte einst auf Platz 26 der WTA. Schwestern Nelly und Jessica schwingen Golfschläger – Nelly gewann Olympiagold in Tokio. Zukünftiger Schwiegervater? Pavel Nedvěd, einst Ballon-d’Or-Gewinner, heute Juve-Legende. Sport ist bei den Kordas keine Berufung, sondern Muttersprache.
Der eigene Weg war trotzdem holprig. Mit drei wollte Sebastian Eishockey-Profi werden. Mit neun besuchte er die US Open, sah Petrs Schützling Radek Štěpánek gegen Novak Djokovic – und war verloren. Von da an nur noch Tennis. Kein Plan B. Katze: Rafa, nach Nadal. Debüt in Roland Garros 2020 gegen eben dieses Idol; danach Autogramm auf dem Trikot. Alles möglich für den, der glaubt.
Die Off-season 2021 verbrachte er in Las Vegas mit Andre Agassi und Steffi Graf. „Andre sagte, ich sei gut, aber faul“, berichtet Korda. Agassis Kompliment war ein Seitenhieb – und Treibstoff.
In Miami schlug er Alcaraz mit derselben Gelassenheit, mit der er früher zu viel riskierte. Der Lob, den der Spanier in die Nacht jagte, war symptomatisch: spektakulär, aber nutzlos. Korda blieb auf Tuchfühlung, schnürte den Weltranglisten-Ersten ein.
Der Sieg wirft ein Schlaglicht auf die ATP-Saison: Alcaraz’ Belastungskurve steigt, Kordas Konstanz ebenfalls. Die Next-Gen-Riege bekommt Konkurrenz aus dem Hause Korda – und das mit einem Coach, der selbst nie die Top-30 verließ, aber weiß, wie man Erwartungen entlädt.
Ende August verteidigt Korda in Washington seinen Titel. Schon jetzt ist er der erste Sohn, der dasselbe ATP-Turnier gewinnt wie sein Vater. 29 Jahre nach Petrs Triumph über Pete Sampras schlägt Sohn Sebastian den neuen Welt-Ersten. Die Pose danach: Petr mit Händen auf dem Kopf, Sebastian mit dem Frame in der Faust. Selbe Überraschung, neue Generation.
Die Bibel lag im Tennisbag, der Glaube auf dem Court. Für Korda war das kein Wunder, sondern die logische Folge eines Lebens, in dem Sport das Familienalbum ist. Nächster Gegner, nächstes Kapitel – und kein Platz für Zweifel.
