Kolollis eiskalter treffer lässt den fcz erneut bluten – identitätskrise vertieft
Der Letzigrund wurde wieder zur Schreckenskammer. Mit dem Schlusspfiff kippte die Stimmung vom verhaltenen Hoffen in blankes Entsetzen – die dritte 1:2-Heimpleite in Serie, wieder mit einem Gegentor nach der 88. Minute. Diesmal war es Benjamin Kololli, der mit einem eiskalt verwandelten Elfmeter den alten Klub in die nächste Depression stieß.
Kolollis gezügelter jubel – und das schlechte gewissen danach
Der 33-Jährige hob kaum die Arme, nachdem er den Ball neben dem verdutzten Yanick van Osch versenkt hatte. Kein Luftsprung, kein Schrei. Stattdessen senkte sich die Miene, als hätte er gerade erfahren, dass das Geschenk vergiftet ist. „Es ist schwierig, den FCZ in dieser Lage zu sehen“, sagte er später dem Blick, während um ihn herum die Sioner den Abstiegskandidaten mit Applaus bedachten. 92 Pflichtspiele hatte Kololli einst für die Zürcher bestritten, heute trägt er die Schmach mit.
Die Statistik wirft kein gutes Licht auf Dennis Hediger: 13 Niederlagen in 21 Partien, 29 Gegentore, nur zwei Siege seit Februar. Doch die Zahlen erzählen nur die Hälfte. Lauschte man in den Katakomben, hörte man keine Wut, sondern Ratlosigkeit. „Wir wissen nicht mehr, wer wir sind“, gestand ein Leistungsträger, der lieber anonym bleibe. Kololli bestätigt die Beobachtung aus der Ferne: „Ich habe das Gefühl, dass der FCZ ein wenig seine Identität verloren hat.“

Neulinge statt dna – die komplettumbauung schlägt fehl
Mehr als die Hälfte der Startformation bestand aus Neuverpflichtungen. Talent ist vorhanden, aber fehlende Automatismen fräsen sich in jeden zweiten Ballverlust. Der Ausgleich fiel nach einem katastrophalen Abspielfehler im Aufbauspiel – jene Situation, die im Training tausendmal durchgenagelt wird, im Spiel aber an Selbstvertrauen zerbröselt. Die Kurve pfeift nicht mehr, sie seufzt. „Wir fühlen uns im Stadion wie Gäste in unserer eigenen Geschichte“, sagte ein Fan, während er das Trikot seines Sohnes umdrehte – die Rückennummer war schon wieder veraltet.
Die Saison ist gelaufen, der Abstieg so gut wie besiegelt. Doch Kololli sendet trotz allem ein Funksignal: „Ich hoffe, sie werden nächste Saison wieder eine bessere Meisterschaft spielen. Ich glaube, sie können sich jetzt gut darauf vorbereiten.“ Es klingt wie ein Abschiedsgruß aus besseren Tagen – und wie eine Erkenntnis: Manchmal muss man erst ganz unten ankommen, um wieder neu durchzustarten. Der FCZ steht am Tiefpunkt, doch der Tiefpunkt ist zugleich die einzige Richtung, die noch übrig ist: nach oben.
