Kölner haie schreiben del-geschichte: 107 minuten eiszeit und ein sweep zum jubeln

Der Bully fiel um 19.30 Uhr, das Licht in der Lanxess-Arena ging erst nach Mitternacht wieder an. 107 Minuten und 44 Sekunden dauerte die Partie, ehe Jan Luca Sennhenn den Puck zur 2:1-Siegmeldung versenkte – und die Kölner Haie damit nicht nur das Viertelfinale gegen Schwenningen mit 4:0 beendeten, sondern auch einen neuen Playoff-Dauerrekord aufstellten.

Die Zuschauer, die sich nach vier Stunden Spielzeit noch auf den Rängen hielten, erlebten ein Drama im Doppelpack: Schwenningens Mirko Höfflin glich 59 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit zum 1:1 aus und zerstörte die nächste Powerplay-Führung von Kölns Topscorer Patrick Russell. Was folgte, waren drei Overtimes, in denen die Haie 46 Schüsse mehr abfeuerten, Torwart Felix Brückmann aber mit Schwerstarbeit die Wild Wings im Leben hielt.

Der siegtreffer fiel nach 14 sekunden powerplay in der dritten verlängerung

Sennhenn, eigentlich als Verteidiger eingeplant, rutschte in die Spur von Stürmer Maximilian Kammerer und nahmt einen Querpass direkt. Der Schlenzer ging an Brückmann vorbei, prallte vom Innenpfosten ins Netz – und entfesselte eine Explosion, die selbst die mitgereisten Berliner Scouts erschaudern ließ. „Wir haben unsere DNA gezeigt“, sagt Kölns Trainer Mike Pellegrims, „nie aufgeben, immer weiterbolzen.“

Mit dem Sweep behalten die Haie ihre weiße Weste in den Playoffs und treffen nun entweder auf die Eisbären Berlin oder – falls Straubing doch noch eine Sensation schafft – auf die Tigers. Berlin liegt nach dem 2:1 gestern Abend mit 3:1 in Front, Ty Ronning war mit Tor und Vorlage wieder der Unterschiedsmacher. Die Berliner haben ihre Serie gegen Straubing bisher dominiert, doch die Haie haben gegen die Eisbären in dieser Saison eine 3:1-Bilanz vorzuweisen.

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Während Köln jubelt, müssen die Adler Mannheim nach ihrer 1:6-Klatsche in Bremerhaven plötzlich zittern. Die Fischtown Pinguins verkürzten auf 1:3, wobei alle Tore im Mitteldrittel fielen – ein Kollaps, den Adler-Coach Benoit Doucet „unakzeptabel“ nannte. Das nächste Spiel ist am Donnerstag wieder in Bremerhaven, wo die Pinguins die Serie umschlagen wollen.

Im Südderby zwischen München und Ingolstadt flogen insgesamt schon 34 Scheiben, nach dem 7:2 gestern steht es 2:2. Die erste Drittel-Offensive der Panthers mit fünf Treffern in 13 Minuten war ein Lehrbuch-Beispiel für Powerplay-Effizienz. München muss nun auswärts antreten – und hat in der Audi-Sportpark-Arena in dieser Saison noch nicht gewonnen.

Köln kann inzwischen durchatmen. Die Haie haben seit 13 Playoff-Partien nicht mehr verloren, die Torhüter-Rotation um Philipp Grubauer und Gustaf Lindvall funktioniert, und die nächste Runde beginnt erst am 8. April. Zeit für Eisbad, Physiotherapie – und vielleicht ein kleines Oktoberfest-Bier als Belohnung für die wohl längste Nacht der DEL-Saison.