Koch rettet das rote trikot mit zittern und zähnen – angliru droht
Franziska Koch trägt das Rote Trikot weiter, aber die Fahrt von Padrón nach A Coruña hat sie gebeutelt. 16. Platz, 2 Sekunden Vorsprung – das ist kein Polster, das ist ein Hauch. Die 25-jährige Mettannerin biss sich auf 121,2 km und 1.823 Höhenmeter durchs Feld, während hinter ihr die Großen aufschlossen.
Lotte kopecky schnuppert, cédrine kerbaol schlägt zu
Die Belgierin Kopecky, zweimalige Weltmeisterin, kletterte auf Rang zwei. Tagessiegerin Kerbaol schob sich auf drei, nur vier Sekunden fehlen. Dahinter lauert mit Pauline Ferrand-Prévot die amtierende Tour-Gewinnerin, dazu Kasia Niewiadoma – die Polin, die 2024 die Grande Boucle dominierte. Kurz: Das Who-is-Who der Szene hat Koch im Visier.
Die deutsche Aufsteigerin hatte die Führung am Vortag erobert, als sie Etappe zwei auf Platz zwei beendete und Noemi Rüegg ablöste. Die Schweizerin, Siegerin der Auftaktrunde, musste aufgeben – ein Ausfall, der Kochs Glück schien. Nun wird klar: Das Rote Trikot wiegt tonnenschwer.

Samstag wird zur schicksalsfahrt – angliru wartet mit 23 %
Die Entscheidung fällt auf der siebten Etappe, wenn der Peloton der Angliru ins Gesicht blitzt. 12,1 km, maximal 23 % Steigung – kein Berg für Romantiker. Wer dort nicht tritt, fliegt buchstäblich raus aus der Wertung. Koch kennt diese Rampen nur aus TV-Bildern der Vuelta, nie hat sie sie selbst unter die Reifen genommen.
Ihr Paris-Roubaix-Triumph vor drei Wochen war ein Erdbeben. Erste Deutsche, die das Pflaster beherrscht – das reichte für die Wahl zur Sportlerin des Aprils. Doch Roubaix ist flach, staubig, Kopf-Arbeit. Angliru ist schroff, laktatvergiftet, Bein-Arbeit. Dieselbe Athletin, zwei extreme Welten.
Die Datenlage: 2 Sekunden Vorsprung, 18 auf Rang sechs (Lippert), 23 auf Ferrand-Prévot. Theoretisch reicht ein einziger schlechter Tag, um alles zu verspielen. Praktisch reicht ein einziger guter Tag, um Geschichte zu schreiben – zwei Monate nach Roubaix.
Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt
