Knorr schlägt ägypten nieder – 41:38-feuerwerk 300 tage vor wm
41 Tore, 300 Tage, ein Statement: Deutschlands Handballer haben Ägypten das Fürchten gelehrt und sich selbst ein Silber-Dresser verpasst. Juri Knorr jagte den Afrikameister mit neun Treffern aus der eigenen Hälfte, bevor die Uhr auf 59:37 stand und der letzte ägyptische Anlauf wie ein Wüstensturm verpuffte.
Tempo, tor, taktik – gislasons offensive läuft heiß
Alfred Gislason stand mit den Händen in den Hosentaschen da, als hätte er den Gegner schon vor dem Anwurf auseinandergenommen. Sein Blick fiel nicht auf das Scoreboard, sondern auf die Laufwege seiner Mittelblock-Truppe. Die Botschaft: Lauf, passt, werft – und wieder von vorne. Das Ergebnis war ein 6:1-Sprint zur 10:7-Führung, den Knorr mit einem Sprungwurf krönte, der die Westfalenhalle auf 10.732 Dezibel hochdrehte.
Ägypten kam mit Muskeln, aber ohne Antwort. Die deutsche Gegenstoßmaschine schaltete nach jedem Ballgewinn sofort in den nächsten Gang. Johannes Golla erzielte bereits in der 41. Minute das 30. Tor – eine Zahl, die normalerweise erst in der Schlussphase fällt. Tim Freihöfer stellte auf 32:26, und selbst als die Nordafrikaner auf 37:38 verkürzten, hatte Knorr noch einen Extragang, den er binnen 15 Sekunden nutzte.

Defensive mit kratzern – 18 gegentore sind eine warnung
Die Kehrseite: 38 Klingeln hinter David Späth und Lasse Ludwig. Miro Schluroff nannte es beim Mikro von ProSieben „einfach zu viel“. Gislason wird die Videobilder genauer unter die Lupe nehmen als den Sieg. Denn wer im Januar auf eigener Anlage die Weltmeisterschaft gewinnen will, darf sich keinen 15-Minuten-Blackout wie beim 18:18 leisten.
Die gute Nachricht: Die Parade von Ludwig direkt nach seiner Einwechslung bewies, dass der Kader tiefer ist als je zuvor. Timo Kastening kam zurück, nahm sich das rechte Außenpaar und schlug sofort ein. Die Rotation funktioniert, selbst wenn die Zuordnung hinten noch wackelt.
Bremen folgt am Sonntag. Dort will Gislason die Schalter wieder auf Sturm stellen, bevor die EM-Silbermedaillen verstauben. 300 Tage sind ein Marathon, aber der erste Kilometer ist in 41 Minuten unter drei Sekunden pro Tor gelaufen. Die Westfalenhalle feierte, die Band GroßstadtEngel spielte „Gute Laune“, und im Kasten stand bereits die nächste Uhr: Tick, tack – WM 2027 kommt nach Hause.
