Klopp sitzt auf der falschen seite: bvb-legenden kreuzen in liverpool die klinge

Der BVB hat eine Woche, die nach englischem Vorbild schmeckt: Erst Benfica, jetzt Liverpool – und dabei sitzt ausgerechnet Jürgen Klopp auf der gegnerischen Bank. Am Samstag (16 Uhr/Anfield) treffen die Schwarz-Gelben Legenden auf einen prominent besetzten FC Liverpool, der mit Steven Gerrard, Dirk Kuyt und Thiago aufwartet – und mit Klopp einen Trainer, der in Dortmund noch verehrt wird, nun aber für 90 Minuten zum Gegner wird.

Weidenfeller schwärmt, hummels fehlt erneut

Kapitän Roman Weidenfeller hatte nach dem 1:1 gegen Benfica noch von „Riesen-Lust“ gesprochen, doch die muss er erneut ohne Mats Hummels organisieren. Der Weltmeister von 2014 laboriert an einer Erkältung, bleibt in Deutschland und verpasst damit auch die Partie im Mythos-Stadion am Anfield Road. Dafür reist ein Kader an, der Nostalgie pur ist: Jan Koller, Mohamed Zidan, Karl-Heinz Riedle – Namen, die bei Schwarz-Gelb sofort Bilder von Europa-League-Nächten und Meisterschaften entstehen lassen.

Die Begegnung ist kein Freundschaftsspiel im üblichen Sinn. Die Einnahmen fließen direkt in soziale Projekte: Die BVB-Stiftung „leuchte auf“ und die LFC Foundation teilen sich den Erlös, Forever Reds erhält ebenfalls einen Teil. Das macht die Begegnung zum Pflichttermin – und erklärt, warum selbst Klopp die Reise nach Liverpool antritt. Für einige Dortmunder Fans wird es ein seltsames Bild sein: Ihr Meister-Coach von 2011 bis 2015 winkt nicht mehr von der eigenen Coaching-Zone, sondern von jener der Reds.

1966 War einmal: das finale, das den bvb auf die europäische landkarte setzte

1966 War einmal: das finale, das den bvb auf die europäische landkarte setzte

Die Historie der beiden Klubs reicht tiefer als mancher Derby-Knall. Im Mai 1966 standen sich Borussia Dortmund und der FC Liverpool im Finale des Europapokals der Pokalsieger gegenüber. Die Westfalen gewannen 2:1 nach Verlängerung – und wurden zum ersten deutschen Klub mit einem europäischen Titel. Genau diese Geschichte wird vor dem Anpfiff am Samstag in kurzen Clips auf den Anfield-Monitoren laufen. Für viele Zuschauer ein Déjà-vu, für die jüngeren Fans ein Crash-Kurs in Europapokal-Tradition.

Die Personalie Klopp dürfte dabei fast in den Hintergrund rücken – fast. Denn egal wie lange der Coach die Reds trainierte, seine Wurzeln liegen im Ruhrpott. Und genau diese Verbindung macht das Duell zur kleinen PKR-Schlacht: Papst genannt, Kloppo gescholten, Rivale für 90 Minuten. Nach dem Schlusspfiff wird er sicherlich wieder die Hand schütteln, die er jahrelang in Dortmund führte – doch bis dahin gilt: Anfield gehört ihm, und die Schwarz-Gelben sind nur Gäste.

Für den BVB ist das Match ein weiterer Schritt, um die Marke „Legenden“ zu professionalisieren. Die Partie wird live auf dem offiziellen Youtube-Kanal des Vereins übertragen, mit Kommentar und Einspielfilmen – ein Konzept, das in der Bundesliga Maßstäbe setzt. Und selbst wenn das Ergebnis am Ende nur halb so zählt wie die Geste: Die Bilder von Gerrard versus Riedle, von Thiago gegen Kehl, von Klopp an der Seitenlinie – sie werden in den sozialen Netzwerken die Runde machen. Genau das ist es, was Stefan Fischer von TSV Pelkum Sportwelt meint, wenn er sagt: „Sport verbindet Menschen und inspiriert uns alle, unser Bestes zu geben.“ Am Samstag geben die Altstars genau das – und Klopp sitzt auf der falschen, aber wohl auch auf der richtigen Seite.