Verlaat fällt erneut aus – 1860 münchen vor pokal-knaller gegen regensburg
Kein Bundesliga-Ball rollt, kein Länderspiel läuft – und trotzdem droht dem TSV 1860 München am Samstag die Saison zu kippen. Gegen Regensburg geht’s im Landespokal-Halbfinale um das Ticket für die erste DFB-Pokal-Runde 2026/27, doch Kapitän Jesper Verlaat wird nach seiner Rückkehr vom Oberschenkel-Desaster erneut nur Zuschauer sein. Ein Schlag im Training, eine Einblutung, fertig. Die Garantie von Trainer Markus Kauczinski ist Makulatur.
Der kapitän bleibt ein phantom
Verlaat war Ende Februar nach fünf Monaten Zwangspause wieder ins Teamhotel eingecheckt, seitdem saß er viermal in der Kabine, nie auf dem Rasen. Die „Einsatzgarantie“ fürs Halbfinale war Teil eines Deals: Kurze Einwechselung, Gespräch mit dem Fanblock, Symbol für den Endspurt. Doch die Realität schlägt schneller zu als ein Innenverteidiger in der 90. Minute. Kauczinski spricht von „einem Schlag auf den Oberschenkel“, der Verein von „einer Einblutung über Nacht“. Für den 29-jährigen Niederländer heißt es: nächste Woche neu verhandeln, nächste Woche neu hoffen. Bis dahin bleibt er ein Gesicht aus der Annonce.
Die personelle Lücke kommt zum Unpassendsten Zeitpunkt. Seit dem 0:4 in Regensburg am 14. Spieltag schwört der Club Revanche, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: nur ein Punkt aus den letzten beiden Partien gegen Wiesbaden und Duisburg, die Defensive kassierte in den letzten 270 Minuten fünf Gegentore. Ohne Verlaat organisierten die Löwen die Viererkette neu, stellten Umstellungen auf „Kompaktheit“ und „aggressives Vorverlagerungsspiel“ in den Raum – doch am Samstag zählt nur Ergebnis.

Regensburg hat den sechzigern die lehrstunde erteilt
Der Jahn gewann das Hinspiel 4:0, dem 1860-Coach blieb nur das Geständnis der „schlechtesten Saisonleistung“. Die Rückkehr in die Oberpfalz gleicht einem Schlag auf offener Wunde. Regensburg selbst flog unter der Woche mit 2:1 gegen Burghausen ins Finale des Bayerischen Landespokals, ist also bereits im Rhythmus der Entscheidungsspiele. Für München dagegen ist das Halbfinale ein Fremdkörper zwischen Liga-Notstand und Saisonplanung 2026/27.
Die Rechnung dahinter ist simpel: Gewinnt 1860 den Landespokal, rutscht es mindestens in die erste Runde des DFB-Pokals – egal, ob die Liga am Ende Rang vier oder Rang zehn liefert. Das bedeutet TV-Geld, ein Auswärtsspiel gegen einen Bundesligisten und rund eine Million Euro Prämie. Verliert die Mannschaft, bleibt nur der lange Atem der 3. Liga, wo zwischen Platz vier und zwölf gerade einmal sieben Punkte liegen. Kauczinski redet deshalb vom „Alles-oder-Nichts-Spiel“, das ihn „juckt“. Seine Spieler müssen liefern, sonst juckt bald der Abstiegskampf.

Planung läuft schon für juli
Unabhängig von der sportlichen Gegenwart hat der Klub die Zukunft schon mal festgezurrt: Trainingsauftakt für die neue Spielzeit ist der 29. Juni, Testspiele folgen am 3. und 5. Juli, das Trainingslager steht vom 13. bis 19. Juli in Ulrichsberg (Oberösterreich) an. Die Termine wirken wie ein Stück Normalität in einer Saison, die selten normal verlief. Doch wenn 1860 am Samstag in Regensburg erneut stolpert, wird die Vorbereitung 2026/27 unter ganz anderen Vorzeichen beginnen – mit weniger Geld, weniger Rückenwind und vielleicht auch mit einem neuen Kapitän.
Die Uhr tickt. Pokalfinale am 23. Mai, Liga-Endspurt bis Anfang Mai. Für Verlaat heißt es erneut: abwarten, verbinden, hoffen. Für seinen Klub heißt es: anschubsen, beweisen, überleben. Sonst bleibt von der großen Aufstiegsmission nur ein Sommer voller Fragen – und ein Trainingslager in Oberösterreich, das wie ein Trostpreis wirkt.
