München kassiert spätes k.o. – ingolstadt zittert trotz 4:0-vorsprung

Der SAP Garden explodierte zweimal: erst vor Freude, dann vor Verzweiflung. Red Bull München lag gegen Ingolstadt 0:4, schaffte 5:5 – und verlor dennoch 5:6. Sekundenbruchteile vor dem Ende streifte Ville Pokkas Schuss nur das Außennetz. Die Serie ist jetzt ein Krimi, nicht ein Play-off.

0:4 Nach 26 minuten – und dann dreht münchen auf

Die Zahlen lügen nicht: Ingolstadt brauchte sieben Schüsse für vier Tore. München dagegen 15 für null. „Sie haben Momentum bekommen“, sagte Coach Oliver David, ohne die Stimme zu heben. Sein Blick schweifte über die leergefegte Bande, wo zuvor 10.796 Fans gebrüllt hatten. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht das Handtuch werfen.“ Das klang nach Trost, war aber eine Kampfansage.

Die Wende begann mit einem Penalty, den Jeremy McKenna versenkte. Dann fiel plötzlich alles: ein Abpraller, ein Nachschuss, ein Powerplay-Tor. Zwischen dem 2:4 und dem 4:4 lagen exakt 4:37 Minuten. Leon Hüttel, Panthers-Verteidiger, atmete tief durch: „Wir haben es am Ende ein bisschen zu spannend gemacht.“

Pokkas schuss und die 1,2 sekunden, die fehlten

Pokkas schuss und die 1,2 sekunden, die fehlten

Bei 77 Sekunden auf der Uhr nahm David seinen Keeper raus. Die Scheibe rollte durchs Slot, Pokka zog mit Drag-Shot – und traf das Eis statt des Netzes. Die rote Lampe blieb dunkel, die Schwarz-Gelben jubelten, die Rot-Weißen starrten. „Das ist Hockey in Reinkultur“, sagte Veit Oswald, Stürmer der Münchner. „Jetzt erst recht in Spiel zwei.“

Mark French, der Ingolstädter Trainer, wischte sich demonstrativ die Schweißperlen von der Stirn. „Die Serie ist schnell auf Temperatur gekommen“, sagte er mit einem Unterton, der an Eishockey-Oldschool erinnert: Wer zuerst blutet, ist noch lange nicht down.

Freitag in der saturn arena: ingolstadt kann vorpreschen

Freitag in der saturn arena: ingolstadt kann vorpreschen

Die ERC-Panther führen 1:0 in einer Best-of-Seven, die München aber weiß: Sie haben die bessere zweite Hälfte gespielt. Die Statistik spricht Bände: 38 Torschüsse nach dem 0:4, 21 davon in den letzten 20 Minuten. „Wir müssen Spiel für Spiel gehen“, wiederholte David wie einen Mantra. Kein „wenn“, kein „aber“ – nur noch pure Energie.

Puck-Drop am Freitag um 19.30 Uhr in der Saturn Arena. München reist mit einer Busladung Wut und einer Prise Selbstvertrauen. Ingolstadt mit dem Wissen, dass 4:0-Vorsprünge gegen diese Red-Bull-Maschine nur Makulatur sind. Die Serie ist längst offen – sie beginnt erst richtig.