Marco belinelli wird 40: der kuss, der italiens basketball für immer veränderte
Ein Kuss auf das silberne Larry-O’Brien-Trophy, die italienische Flagge um den Hals – dieses Bild ging um die Welt. Heute wird Marco Belinelli 40. Und diese Sekunde aus Juni 2014 ist noch immer die Antwort auf jede Frage, warum ein Junge aus San Giovanni in Persiceto es bis ganz nach oben schaffen kann.
Der einzige nba-champion italiens
Belinelli ist nicht nur der erste und bislang einzige Italiener mit einem Meisterschaftsring, er ist auch der einzige, der in den Playoffs 2014 jeden einzelnen Sieg mit einem Dreier quittierte. 27 Punkte im entscheidenden Game 3 gegen Oklahoma City, 18 in der Finalserie gegen Miami. Gregg Popovich nannte ihn „unseren X-Faktor“. Die Spurs hatten den besten Ball der Liga, und Belinelli war der Joker, der aus dem Stand 20 Punkte enstehen lassen konnte.
Was die Statistiken nicht zeigen: die Nächte, in denen er nach dem Training alleinbleibt, um 500 Würfe zu wiederholen. Die Sommer in Bologna, wo er mit seinem Bruder Marco auf dem abgedunkelten Schulhof dribbelt, bis die Lichter ausgehen. Die Ablehnung durch europäische Top-Clubs, die ihn mit 19 für zu schmal hielten. „Ich habe mir Notizen gemacht“, sagte er einmal, „wer nein gesagt hat. Die Liste war lang.“

Von der emilia-romagna in die texanische gluthitze
2007 zog es ihn nach Golden State, 2011 nach Chicago, 2013 nach San Antonio. In Texas fand er das System, das seine Stärken perfekt nutzte: schnelle Ballbewegung, offene Dreier, gnadenloser Transition-Wurf. Die Spurs holten 62 Siege in der Regular Season, Belinelli verwandelte 43 Prozent seiner Dreier. Im Finale küsste er den Pokal – und plötzlich war er kein Rotationsspieler mehr, sondern Nationalsymbol.
Die Nachwirkung war enorm: die Anmeldungen in italienischen Basketball-Camps stiegen um 38 Prozent, die NBA-Senderechte in Italien wurden für 40 Millionen Euro neu verhandelt. Kinder trugen plötzlich seine Nr.-3-Jerseys statt die von Kobe oder LeBron.

Die lehre aus 40 jahren
Heute spielt Belinelli noch in der VTB-Liga für Virtus Bologna, trainiert zweimal täglich, schickt Whatsapp-Sprachnachrichten an den 17-jährigen Nachwuchsspieler, der ihn einst fragte, wie man sich vor einem Freiwurf konzentriert. Seine Antwort: „Stell dir vor, der Ball ist ein Zugticket. Du musst nur aufsteigen.“
Die Karriere des 40-Jährigen ist kein Märchen, sondern ein Lehrstück darüber, dass harte Arbeit keine Garantie ist – aber die einzige Währung, mit der man sich in der NBA überhaupt bewirbt. 656 reguläre Spiele, 8.766 Punkte, ein Ring. Und ein Foto, das niemals altern wird.
