Kling bleibt trotz chaos: bayreuth setzt auf kontinuitat im abstiegskampf
Die SpVgg Bayreouth hält an Lukas Kling fest – und das ausgerechnet in der größten Unsicherheit seit Jahren. Der 36-Jährige unterschreibt einen neuen Vertrag bis 2026, obwohl Klubpräsidentin Nicole Kalemba abtritt, die Kasse klafft und der Kader droht zu zerbrechen.
Ein schritt gegen den sturm
Am Donnerstagabend verkündete der Tabellen-13. der Regionalliga Bayern die Verlängerung – zwei Tage nach dem 2:1-Sensationssieg gegen die Bayern-Amateure vor über 6.000 Zuschauern. Kling, seit April 2024 im Amt, bekommt nicht nur weitere Planungssicherheit, sondern auch mehr Macht: Er übernimmt künftig Vertragsverhandlungen, Beratergespräche und die enge Abstimmung mit dem NLZ.
„Er wird sich künftig auch um die Belange im sportlichen Bereich kümmern“, heißt es in der Mitteilung. Die Formulierung klingt nach Beförderung, ist aber reine Notwendigkeit. Denn wer sonst? Die Präsidentin tritt zurück, der Vorstand sucht Nachfolge, die Spieler warten auf Klartext.
Kling selbst gibt sich kämpferisch: „Ich bin guten Mutes, dass wir den Verein wieder dorthin bringen, wo er hingehört.“ Dorthin – das wäre die Spitzengruppe der Regionalliga, vielleicht sogar den Anschluss an die 3. Liga. Doch aktuell steht Bayreuth auf Rang 13, nur drei Punkte über dem Strich.

Kalembas erbe und klings versprechen
Nicole Kalemba, die den Klub vor zwei Jahren übernahm und strukturierte, kündigte ihren Rückzug an. Kling zollt Respekt: „Sie hat den Verein mit Klarheit, Ruhe und hoher Professionalität geführt.“ Doch hinter den Kulissen sickert durch: Ohne Kalembas verhandlungssicheres Netzwerk drohen Spielerabgänge im Sommer. Mindestens sechs Leistungsträger laufen aus, darunter Top-Torjäger Marcel Schäffler und Abwehrchef Fabian Weiß.
Die Lösung: Jugend. Bayreuth will künftig noch enger mit dem NLZ verzahnen und eigene Talente rekrutieren. Kling war selbst Co-Trainer des U19-Verbandsligisten, kennt die Strukturen. „Der positive Austausch zwischen NLZ und erster Mannschaft wird weiter wachsen“, verspricht er. Doch das braucht Zeit – und die hat der Klub in der akuten Abstiegszone kaum.
Die Fans jedenfalls jubelten beim Sieg gegen München, skandierten Klings Namen. Er lief mit erhobener Faust über den Rasen – ein Bild, das in Erinnerung bleibt. Ob es ein Befreiungsschlag oder nur ein Strohfeuer war, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Die Partie am Samstag bei Aufsteiger SpVgg Hankofen gilt als erste Richtungsentscheidung.
Bayreuth setzt auf Kontinuität, wo andere klammheimen Umbau ankündigen. Das ist mutig – oder verzweifelt. Kling sagt: „Wir werden die Phase gemeinsam meistern.“ Die Frage ist nur: Mit welchem Kader und mit wem an der Seitenlinie, wenn die wirtschaftliche Talsohle noch tiefer wird? Die Antwort gibt der Mai. Bis dahin hat der Trainer zwei Jahre Zeit – und keine zweite Chance mehr.
