Kimmich zieht die kampflinie: keine favoritenrolle, aber 100 % feuer

Joshua Kimmich ballt die Faust – und die deutsche Nationalmannschaft gleich mit. „Wir zählen nicht zu den Top-Favoriten“, sagt der Kapitän, „aber wenn der Schiri pfeift, zählt nur, wer bereit ist, sich zu verbiegen.“ Der 31-Jährige schickt seine Kollegen mit demselben Selbstverständnis in die Testspiele gegen die Schweiz (Freitag, Basel) und Ghana (Montag, Stuttgart), das ihnen vor der Heim-EM 2025 das Halbfinale bescherte: Team vor Talent.

Die Leerstellen im Kader schreien danach, dass sich neue Gesichter zeigen. Mit Jonas Urbig und Lennart Karl reisen zwei Münchner, die noch kein WM-Tor erzielt, aber jede Menge Selbstbewusstsein im Gepäck haben. „Scheißegal-Mentalität“, nennt Kimmich das. Gemeint ist: Kein Rumdrucksen, kein Kontrollverlust – nur Vollgas. Denn Julian Nagelsmann will Variabilität statt Star-Ensemble. Spielaufbau neu erfunden, Mutter Anja würde es eh nicht verstehen.

Die geister von russland und katar begleiten noch jeden schritt

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Kimmich spricht sie nicht laut aus, aber die WM-Desaster von 2018 und 2022 sitzen tief. „Der beste Kader der Welt garantiert nichts“, sagt er und meint: garantiert gar nichts. Darum fordert er 100 %, nicht 99. Die Slowakei wurde im November mit 6:0 geköpft, diese Benchmark gilt fortan als Nagelsmanns Kompass. „Die Erwartungshaltung ist klar: Jeder Vollgas.“

Der Bundestrainer selbst schlenzte beim ersten Training den Ball an den Pfosten – ein Versehen, ein Omen, ein kleiner Gruß an die Ungewissheit. Fehlen werden Musiala, Pavlovic, Nmecha. Dafür bekommen Jamie Leweling und Co. die Bühne, ehe auch er wieder abreist. Neue Trikots, neue Rollen, neue Geschichten – alles blau, alles offen.

Am Ende zählt nur, was in den 90 Minuten passiert. Kimmich verspricht keine Titel, aber er verspricht Angriff. Und manchmal reicht schon das, um den American Dream wachzuküssen.