Kiel rutscht erneut aus: melsungen demontiert den thw mit 30:29

Die Niederlage schmeckt nach Gallen. Rekordmeister THW Kiel verliert beim Tabellensiebten MT Melsungen mit 29:30 und kassiert damit den nächsten Schlag im Kampf um die Champions-League-Tickets. Die Mannschaft von Trainer Filip Jicha spielt 60 Minuten lang Verfolgerball, holt zweimal fünf Tore auf – und tritt dennoch auf der Stelle.

Gonzalo rettet, dann folgt die blackout-phase

Gonzalo rettet, dann folgt die blackout-phase

Beim Stand von 16:20 wirkt alles klar. Doch Gonzalo Perez de Vargas flippt innerhalb von fünf Minuten zwei Paraden raus, trifft selbst und zieht den THW auf 21:20. Die Arena tobt – und verstummt sofort, weil Kiel sieben Minuten lang kein Tor wirft. „Wir machen den richtigen Schritt, dann treten wir wieder ins Leere“, klingt es aus der Kabine. Die Statistik liefert das brutale Bild: 54 % Feldwurfquote, zwölf technische Fehler, nur 55 % Effizienz aus dem Rückraum.

Bence Imre trifft achtmal, aber seine Treffer wirken wie Einzelleistungen. Die Kreisläufer rutschen in Deckung auseinander, die Halbposition verpasst die Absicherung – Melsungen kontert gnadenlos. Trainer Jicha wechselt dreimal die Abwehrformation, doch jedes Mal reagiert Gäste-Coach Heiko Grimm mit Tempo-Gegenstößen. Die Kieler Bank verliert die Geduld, Niklas Landin schlägt mit der Hand auf die Bande, weil sein Anschreien im Lärm versinkt.

Die Tabelle schont keine Gefühle: Kiel bleibt bei 36:16 Punkten auf Rang vier, doch Stuttgart und Füchse Berlin haben ein Spiel weniger und schnuppern bereits dicht. Die Saison hat noch sieben Spieltage – genug Zeit, um sich zu rächen, aber auch genug, um komplett abzurutschen. Die nächste Woche bringt den HC Erlangen in der Sparkassen-Arena. Kein Gegner, vor dem man sich fürchtet, aber genau das macht die Lage so brandgefährlich.

Die Fans applaudieren trotzdem, weil sie wissen: Ein Meister stirbt dreimal, bevor er fällt. Aber die Stimmen werden rauer. „Wenn wir uns weiter so leichte Ballverluste erlauben, fliegen wir vorzeitig aus der Königsklasse“, sagt ein Ordner am Ausgang. Er spricht aus, was viele denken: Der THW ist nicht mehr unschlagbar – und die Liga genießt den Anblick.