Kickers offenbach feuert glibo – abstiegsangst statt aufstiegsträume

Kristjan Glibo ist weg, der Abstieg aber längst nicht. Kickers Offenbach trennt sich vom zwölften Trainer seit 2013 – und rutscht immer tiefer in die Regionalliga-Südwest-Krise. Die Rechnung: 1,26 Punkte pro Spiel, Platz 14, nur zwei Zähler aus den ersten drei Partien 2024. Das reicht nicht mal mehr für die bloße Existenz, geschweige denn für die langersehnte Rückkehr in die 3. Liga.

Die woche, die glibo kostete

Martin Pieckenhagen musste nicht lange überlegen. Nach dem 1:1 in Homburg stand die Mannschaft nicht mehr hinter ihrem Coach, intern wurde die desolate erste Halbzeit als taktischen Blackout zugeschrieben. Dass die Kurve später jubelte, half nichts – die Kabine war längst abgestimmt. Der 43-Jährige, einst als Hochdruck-Handwerker angekündigt, scheiterte an seiner eigenen Marschrichtung. Ohne den vergraulten Topscorer Dimitrij Nazarov, mit acht Rekonvaleszenten im Kader und einem Psychologen als Notnagel wurde aus der Utopie „Aufstiegskampf“ schnell der Alptraum „Hessenliga“.

Die Zahlen sind gnadenlos: 23 Pflichtspiele, 29 Punkte, nur zwei Siege aus den letzten zwölf Partien. Die Konkurrenten Alzenau und Fulda holten im gleichen Zeitraum dreimal so viele Zähler. Pieckenhagen redet nicht mehr vom Spielplan, sondern vom „Runtergucken“. Wer unten nicht gewinnt, fällt irgendwann durch das Raster. Der OFC steht mit sieben Punkten Vorsprung auf Platz 15 – ein Polster, das sich bei diesem Trend in zwei Wochen in Rauch verwandelt.

Interne lösung als brandbeschleuniger?

Interne lösung als brandbeschleuniger?

Fabio Audia und Eric Schaaf übernehmen „auf Abruf“, wie der Klub es nennt. Kein externer Feuerwehrmann, kein Konzept, nur die Hoffnung, dass die Mannschaft sich selbst rettet. Hans-Jürgen Boysen berät im Aufsichtsrat, doch der ehemalige Meistercoach soll nur „mittelfristig“ helfen. Zeit hat niemand: In sieben Tagen kommt Großaspach, dann reist der OFC nach Freiberg, danach Pokalhalbfinale in Fulda. Drei Endspiele, ehe der Frühling richtig beginnt.

Die Leidensgeschichte wiederholt sich. Seit 2013 wechselten zwölf Trainer den Posten, keiner blieb länger als 18 Monate. Der Club sucht Identität, findet nur Kurzzeitlösungen. Die Fans skandieren noch „Kickers“ – aber sie wissen längst, dass der Glaube allein keine Tore schießt. Wenn sich in den nächsten drei Wochen nicht mindestens fünf Punkte einstellen, droht der erste Abstieg in die fünfte Liga seit 2008. Dann wird Homburg nicht mehr als Rettung gelten, sondern als letztes Aufbäumen vor dem freien Fall.