Kerbaol schlägt zu: französische attacke zerreißt favoritenfeld in a coruña

Cédrine Kerbaol riss dem Feld auf den letzten Kopfsteinen das Herz heraus. Die 24-Jährige von EF Education-Oatly setzte in A Coruña einen Seziermesser-Angriff, der Lotte Kopecky und Kasia Niewiadoma ratlos zurückließ. Mit 120 Metern Vorsprung fuhr die Bretonin ins Zelt – und revanchierte sich für Noemi Rüegg, die nach ihrem Sturz vom Vortag im Hotel liegt.

Der moment, als der rennverlauf zerbrach

Die Vorentscheidung fiel nicht auf den beiden offiziellen Anstiegen, sondern auf einer 600-Meter-Rampe mit 6 %, gepflastert wie ein mittelalterlicher Wehrgang. Kerbaol hatte sich dort zunächst in den Schatten von Liane Lippert und Paula Blasi versteckt. Als Jayco-AlUla die Geschwindigkeit drosselte, um Kopecky zu positionieren, schlüpfte die Französin nach außen, trat dreimal durch – und weg war sie. „Ich wusste, dass niemand mehr reagiert, wenn ich erst einmal zehn Meter habe“, sagte sie später. Die Uhr stoppte bei 11 Sekunden Vorsprung, bevor Mavi García und Niewiadoma das Tempo wieder nach oben schraubten. Zu spät. Kerbaol jubelte mit gespreizten Fingern, das Publikum tobte, die Favoritinnen schauten sich an wie nach einem Streich.

Dahinter explodierte das Gesamtklassement. Franziska Koch (dsm-firmenich PostNL) verteidigte zwar das Rot, aber nur dank der Bonifikation von Arteixo. Der Vorsprung auf Kopecky schrumpfte auf zwei Sekunden, auf Niewiadoma auf zwölf. Blasi, beste Spanierin, liegt als Achte 18 Sekunden zurück – ein Minikluft, die morgen bei der „Montaña Rusa“ nach Galiciens Innenland binnen Kilometern verschluckt werden kann.

Wie ein kunstflugzeug durchs feld

Wie ein kunstflugzeug durchs feld

Die Zahlen liefern das Drama auf dem Silbertablett: 52,3 km/h Schnitt auf den letzten fünf Kilometern, 392 Watt Durchschnitt für Kerbaol auf dem Pflaster, 11 Sekunden Lücke nach 200 Metern. Jayco-AlUla verbrannte 1.400 Kilojoule in der Jagd, verlor aber trotzdem. Die Australierinnen hatten Kopecky perfekt in Position gebracht, doch als Kerbaol losschoß, war Rebecca Koerner einen halben Radlänge zu weit hinten. „Wir haben die Lücke einfach nicht zugekriegt“, gestand Sportdirektor Martin Vestby. „Das war kein taktischer Fehler, das war reine Power.“

Einzige Störung vor dem Finale lieferte Felicity Wilson-Haffenden. Die 21-jährige Australierin von Lidl-Trek flog mit 80 Kilometern noch einmal davon, riss drei Begleiterinnen mit und zwang das Feld zu einer 35-km/h-Jagd über welliges Terrain. Die Attacke hielt bis Kilometer 104, dann rissen die Sprinterteams das Seil ein letztes Mal durch.

Morgen droht der nächste abriss

Morgen droht der nächste abriss

Die vierte Etappe von Monforte de Lemos nach Antas de Ulla gilt als Mini-Klassiker: 115,6 Kilometer, zwei kategorisierte Anstiege, Finale auf leichtem Anstieg. Wer heute noch zitterte, wird morgen zittern – nur lauter. Koch muss Kopecky attackieren, um die zwei Sekunden zu vergolden. Niewiadoma will die Berge nutzen, Blasi träumt von einem spanischen Tagessieg. Und Kerbaol? Die trägt jetzt den Druck der Patin. „Ich habe nichts zu verlieren“, sagt sie. Das Peloton wird es ihr nicht glauben. Die Vuelta ist erst drei Tage alt, aber das Pulver ihrer Rivalen riecht bereits nach Schwefel.