Terzic springt aufs baskische feuer: athletic verpflichtet bvb-pokalsieger
Edin Terzic packt die Koffer, Spanien ruft. Nach Monaten des Gerüntsels wurde am Dienstag offiziell bestätigt, was sich in den vergangenen Wochen immer mehr anbahnte: Der 43-Jährige übernimmt zum Saisonstart den Trainerposten bei Athletic Bilbao und stürzt sich damit erstmals ins Auslandsabenteuer.
Der Vertrag läuft zwei Jahre, die Nachfolge von Ernesto Valverde ist besetzt. Für Terzic, der zuletzt als TV-Experte die Bundesliga analysierte, bedeutet der Schritt nicht nur einen neuen Arbeitsplatz, sondern auch einen Perspektivwechsel nach 17 Jahren im deutschen Profifußball.
Die dortmunder bilanz: pokal und wembley-finale
Seine Vita liest sich wie ein Krimi mit Höhen und Tiefen. 2020 riss ihn der BVB aus der Assistenz, stolperte über Zwiespalt und formierte eine angeschlagene Mannschaft neu – am Ende stand der Pokalsieg gegen RB Leipzig. Die Rückkehr 2022 endete im Juni 2024 mit dem Champions-League-Endspiel gegen Real Madrid, das 0:2 ging, doch das Etikert „Final-Coach“ blieb kleben.
Terzic selbst nannte als Grund für seinen Rückzug den personellen Umbruch in Dortmund und die bevorstehende strategische Neuausrichtung. Offenbar hatte er schon damals Bilbao im Blick. Präsident Jon Uriarte gilt seit Monaten als entschiedener Bewunderer der Mischung aus Emotion und taktischem Detail, die Terzics Teams ausmacht.

Ein klub, der nur auf basken setzt
Athletic zählt zu Europas letzten Idealisten. Kein Spieler ohne baskische Wurzeln, keine teuren Importstars – dafür ein leidenschaftliches Publikum und 24 Copa-del-Rey-Titel. Die jüngste Trophäe stammt aus dem April 2024, als Atlético Madrid in der Verlängerung kapitulierte. Nun soll Terzic den nächsten Coup einfädeln, ohne das Transferfenster nutzen zu können wie seine Kollegen in Madrid oder Barcelona.
Die Mannschaft rangiert aktuell auf Platz acht der Primera División, die Europa-League-Plätze sind greifbar. Die Frage ist, wie schnell Terzic die Kommunikation in kabelloser Lautstärke und die emotionale Körpersprache seiner Spieler synchronisiert. Spanisch beherrscht er laut Umfeld „ganz okay“, was bei Athletic reicht – Hauptsache baskisch verbunden.
Der Zeitplan ist knapp: Trainingstart Mitte Juli, Testspiele gegen Newcastle und Monaco, dann direkt die Qualifikation für die Copa. Wer den San Mamés jemals erlebt hat, weiß: Hier zittert nicht nur der Rasen, hier bebt ein ganzer Berg. Terzic liebt genau diese Atmosphäre. Jetzt bekommt er sie geschenkt – und muss liefern.
Die Liga der Auswärtstrainer ist in Spanien klein, die Erfolgsquote schwankend. Wenn er es schafft, Athletic in die Champions League zu lotsen, dürfte das Echo bis nach Dortmund rollen. Versagt er, war es immerhin der mutige Versuch, sich selbst neu zu erfinden. Eines steht fest: In Bilbao wird nicht gemogelt, man arbeitet. Genau Terzics Stil.
