Katharina schmid fliegt sich mit zwei souveränen sprüngen in den ruhestand
Sie kam, sprang, feierte – und ging. Katharina Schmid verabschiedete sich am Freitag in Planica nicht mit einem Sieg, sondern mit einer Gänsehaut-Atmosphäre, die selbst Nika Prevc kurz aus dem Tritt brachte. 166 Meter im ersten Durchgang, 176 Meter im zweiten, Platz 13 von 13 – und trotzdem: die lauteste Abfahrt des Tages gehörte der 29-jährigen Oberstdorferin.
Der letzte flug wird zum volksfest
Schon vor dem Sprung hatten die slowenischen Fans ein Flickenteppich aus Deutschland-Fahnen entrollt, die deutschen Mädels hatten sich hinter der Auslaufschanze in Position gebracht – kein Training, kein Meeting, nur Anspannung. Als Schmid dann in die Anlaufspur stieg, schwieg die komplette Arena. Sekunden später explodierte sie. „Es ist brutal geil, die Kulisse, die Fans. Es fühlt sich geil an“, sagte Schmid im ZDF, das Mikro zwischen den Zähnen, die Tränen noch in der Kehle. Ihre Familie stand an der Bande, die Mutter mit der Deutschland-Mütze, der Vater mit der 200-Meter-Flagge aus Vikersund. Planica als Bühnenbild – das passt. Hier hatte sie 2023 drei WM-Golds geholt, hier flog sie jetzt ihrer Karriere hinterher.
Die Sportliche Seite der Geschichte war nebensächlich. Nika Prevc schraubte ihren Saison-Sieg-Zähler auf 18, stellte mit 228,5 und 221,0 Meter klar, dass sie auch auf der Kulm-Schanze noch Luft nach oben hat. Eirin Maria Kvandal und Nozomi Maruyama wurden Zweite und Dritte, aber selten haben Medaillen so nachrangig gewirkt. Agnes Reisch landete als beste Deutsche auf Platz acht, Selina Freitag, frisch rekordverdächtig mit 227,5 m in Vikersund, wurde Zehnte. Die Zahlen stehen im Protokoll, doch die Bilder des Tages zeigen Schmid, wie sie im Zielraum auf dem Schnee kniet, die Hände vors Gesicht schlägt und sich von der Mannschaftsjacke ein T-Shirt ziehen lässt, auf dem „Danke, Kathi“ steht.

Planica bleibt ihre bühne – und das weiß sie
„Planica ist ein ganz besonderer Ort, ich hatte ganz besondere Momente. Es ist ein cooler Ort für den Abschluss“, sagte sie später, die Stimme trotz Megafon-Interview heiser. Der 200-Meter-Sprung von Vikersund war die letzte sportliche Spitze, heute zählte nur der Schwebezustand zwischen Abschied und Dankbarkeit. Kein Sponsor zog sich das Logo vom Anzug, kein Verbandschef verpasste den Handschlag. Die Slowenen skandierten ihren Namen, obwohl ihre Weite nicht einmal die Hälfte von Prevc’s Weltrekord-Trainingssprung war. Wer hier landet, der landet im Herzen der Szene.
Die Saison ist vorbei, die Zahlen sind geschrieben: 18 Siege Prevc, 13 Podestplätze Reisch, ein deutscher Rekord Freitag – und ein einziger Abschied, der lauter war als alle Siegerehrungen zusammen. Schmid wird nicht mehr in der Spur stehen, aber ihre 200-Meter-Marke bleibt, und die Erinnerung an diesen Freitag auch. Wer nächstes Jahr wieder nach Planica kommt, der wird an der Auslaufschanze ein Fähnchen mit der Startnummer 13 finden – und wer genau hinsieht, entdeckt darunter eine Miniatur-Fahne mit der Aufschrift „Danke, Kathi“. Sie flog 176 Meter weit, aber die Schneekristalle tragen sie noch ein Stück weiter.
