Kampf um die regionalliga: ki zerstört hessen-derbys
Stefan Fischer, TSV Pelkum Sportwelt – 24.03.2026, 11:24 Uhr. Die Schale liegt in Frankfurt, die Messer sind schon jetzt gezückt. Beim DFB-Spitzentreffen am Mittwoch entscheidet sich, ob künftig eine Künstliche Intelligenz jeden Sommer neu auswürfelt, wer auf wen trifft. Weg sind fünf Staffeln, her kommen vier, jede 20 Teams stark – und Hessen steht mitten im Schussfeld.
Derbys wie kassel–offenbach drohen das aus
Der Plan trägt den schönen Namen „Kompassmodell“. Dahinter steckt eine knallharte Sparlogik: kürzere Busfahrten, einheitliche Lizenzregeln, feste Aufstiegsplätze. Klingt unspektakulär, trifft aber die Traditionsclubs wie mit einem Tritt ins Gesicht. Stellen Sie sich vor, der KSV Hessen Kassel müsste plötzlich nach Magdeburg oder Cottbus reisen, während der OFC in Aachen oder Mönchengladbach spielt. Keine 30-Minuten-Trips mehr, keine ausverkauften Waldstadion-Derbys, keine Rivalität, die sich über Jahrzehnte gefühlt hat.
Die KI verteilt die Teams nach Geokoordinaten, Fanpotential und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Das Programm kennt keine Folklore, es kennt nur Daten. Robert Lempka, Geschäftsführer des FSV Frankfurt, spricht deshalb von einem „Kunstprodukt“. Für ihn ist klar: „Hessen liegt im Zentrum, deshalb treffen wir die Veränderungen am härtesten.“

Meister muss aufsteigen – endlich ohne wenn und aber
Bisher gab es fünf Staffeln, aber nur vier Aufstiegsplätze. Das führte zu absurden Konstruktionen: Meister aus Bayern oder Nordost blieben unten, weil ein Vizemeister aus dem Westen besser punktete. Die neue Lösung verspricht, dass jeder Tabellen-Erste direkt in die 3. Liga fliegt. Den Zynismus der vergangenen Jahre soll es nicht mehr geben.
Felix Magath, Sportvorstand der Viktoria Aschaffenburg, begrüßt den Kahlschlag: „Die aktuelle Situation ist nicht tragbar.“ Er kalkuliert schon mit neuen Nachbarn: OFC, FSV, vielleicht Mainz II oder auch Elversberg. Für Magath ist die Reform keine Drohung, sondern ein Schritt zurück zu regionalen Eigentlichkeiten, nur eben auf der nächsthöheren Stufe.
Die Gegner des Modells wittern ein Machtspiel der großen Ligen. Sie fürchten, dass die DFL mit den vier Staffeln die nächste Stufe professionalisieren und kleine Vereine aus dem Fokus der Öffentlichkeit drängen will. Die Initiative „Aufstiegsreform 2025“ hat 65 Klubs hinter sich, von der Bundesliga bis zur Oberliga. Die Mehrheit scheint geschlossen, der Widerstand kommt vor allem aus den Ländern, die künftig zwischen den Front stehen: Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen.

Frankfurt wird über schicksal entscheiden
Die Entscheidung fällt in einer einzigen Sitzung. Keine weitere Runde ist terminiert, kein Plan B liegt auf dem Tisch. Sollte der DFB-Bundestag im Herbst zustimmen, beginnt mit der Saison 2027/28 ein ständiges Neuanfangsdatum. Vereine müssen ihre Budgets neu kalkulieren, Busunternehmer ihre Routen, Fans ihre Fahrpläne. Die hessische Fußballkultur bekommt ein Update, ob sie will oder nicht.
Die Zahner sind gerade einmal 46 Sekunden lang – so kurz wie die Audio-Meldung, die die HR-Redaktion veröffentlichte. Doch die Nachwirkungen könnten Jahrzehnte dauern. Entweder Hessen spaltet sich in Ost und West, oder es findet sich neu. Die KI hat schon gerechnet, die Menschen müssen nur noch abstimmen. Dann ist Schluss mit dem ewigen Gemurre: Meister steigen auf – und zwar alle. Ob die Ligen danach spannender werden, entscheidet sich in Frankfurt. Für den OFC, für Kassel, für den ganzen Fußball mittendrin.
