Nagelsmann bleibt hart: kein ersatz für leweling – dfb-team schrumpft weiter
Die deutsche Nationalmannschaft reist mit einem 22-Kader in die Schweiz – und Julian Nagelsmann schickt dabei ein Signal: Wer fragt, fliegt. Nach Jamie Lewelings Muskelabschied und der Absage von Nathaniel Brown, Kai Havertz und Antonio Rüdiger zieht der Bundestrainer keine Nachrücker mehr nach. Die Entscheidung ist so radikal wie konsequent.
Stiller und führich sind die letzten retter
Nagelsmanns Notlösung trägt Stuttgarter Gesicht. Angelo Stiller und Chris Führich, erst am Wochenende noch für die verletzten Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović nachnominiert, sind jetzt die einzigen Frischlinge im Kader. Leweling, der sich beim Sprinttraining die Oberschenkelmuskulatur zerriss, durfte am Dienstagmorgen das DFB-Quartier in Herzogenaurach Richtung Stuttgart verlassen – ohne Ersatz. Die Botschaft: Kein Platz für Sympathieträger, nur für 100-Prozent-Fitmacher.
Die Fehlliste liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Hoffnungsträger: Havertz und Rüdiger dürfen wegen Belastungssteuerung pausieren, Brown laboriert an einer Sprunggelenkprellung. Nagelsmann will vor dem Test in Basel und dem Heimspiel gegen Ghana keine weiteren Risiken eingehen. Die sportliche Logik: lieber zwei Spiele mit 22 Mann als ein Burn-out mit 26.

Drohne über dem trainingsplatz – schreuders debüt im schatten der krise
Über dem Rasen in Herzogenaurach kreiste nicht nur die Sonne, sondern auch eine Kameradrohne – Symbol für die erhöhte Aufmerksamkeit, die Nagelsmanns Team seit der EM-Vorbereitung begleitet. Unter der Linse: Alfred Schreuder, neuer Assistent und Ex-Ajax-Coach, der erstmals die Trainingseinheit leitete. Die Niederländer sollen vor allem die Balleroberung stabilisieren – ein Arbeitsfeld, das sich angesichts der personellen Engpässe zur Prestigeaufgabe entwickelt.
Die Zahlen sind vernichtend: Seit März hat der DFB 14 Spieler verloren – teils verletzt, teils geschont. Die Tendenz steigt. Doch Nagelsmann nutzt die Krise, um seine Hierarchie zu schärfen. Wer nicht topfit ist, fliegt raus – egal, wie groß der Name. Die Konsequenz: ein Kader, der sich auf 17 Feldspieler und 3 Torhüter reduziert, aber dafür mit jugendlicher Frische aufwartet.
Nach dem Abschlusstraining am Donnerstag geht’s nach Basel. Gegen die Schweiz will Nagelsmann testen, wie viel Druck seine Rumpftruppe aushält. Drei Tage später in Stuttgart wartet Ghana – und mit ihm die Frage, ob 22 Köpfe reichen, um die deutsche Fußball-Seele wieder zu vereinen. Die Antwort liefert nicht der Kader, sondern die Klarheit, mit der Nagelsmann seine Linie durchzieht. Kein Ersatz, kein Pardon – nur pure Konsequenz.
