Juve-stars wohnen lieber mitten in turin – nur einzelgänger flüchten auf die hügel

Kein Swimmingpool im Wohnzimmer, kein CR7-Anwesen mit Sonnenaufgangstraining: Die meisten Juventus-Spieler zieht es in die Altstadt. Dort treffen sie sich auf Espresso, nicht auf Eigenheime.

Luxusvillen bleiben ausnahme

Luxusvillen bleiben ausnahme

Die Villa, die Ronaldo, Pogba und Ramsey der Reihe nach bewohnten, steht wieder leer. Loïs Openda schlüpfte als letzter in die 2.000-Quadratmeter-Fußstapfen, doch selbst er trainierte lieber im Keller als auf der Continassa. Die Juve-Mehrheit entscheidet sich gegen Grün, Gärten und GPS-freie Zufahrten. Sie sucht sich barocke Palazzi zwischen Via Po und Piazza Castello, wo die Portiers seit Jahrzehnten dieselben Nachnamen in die Hausliste kritzeln – nur die Gesichter wechseln.

Die Logik ist simpel: Wer in Turin spielt, will schnell beim Training sein, schnell beim Dinner, schnell wieder zu Hause. Die Stadt ist kompakt, die Fans höflich, die Selfies erledigt man in zwei Minuten. Ein Umzug in die Collina, die sanfte Anhöhe hinter der Gran Madre, bedeutet: 20 Minuten zusätzlich, zwei Ampeln mehr, ein Leben außerhalb der Blase. Das machen vor allem Solospieler, Familienlose, Frischgeschiedene. Sie mieten Häuser mit Olivenhain, nicht mit Schulbus- Anschluss.

Luciano Spalletti sucht gerade ebenfalls eine Bleibe – und lässt sich von Sportdirektor Comolli beraten, der im selben Quartier wohnt. Die Juve-Führung nennt das „Netzwerkdichte stierischem Charme“. Geld spielt dabei keine Rolle. Ein Loft mit Blick auf den Mole Antonelliana kostet dieselbe Miete wie ein Apartment am Stadtrand von München. Entscheidend ist die Unsichtbarkeit, die man in Turin noch erhalten kann, wenn man sich in die richtige Straße stellt.

Die Zahlen sind eindeutig: 70 Prozent des aktuellen Kaders wohnen innerhalb des aurelianischen Rings der Stadt. Wer Kinder hat, schickt sie auf die Deutsche Schule oder das Montessori-Gymnasium, beide fußläufig. Wer keine hat, genießt die Hügel, die Dunkelheit und die Tatsache, dass die Paparazzi vor dem nächsten Hang warten müssen.

Am Ende zählt nicht der Quadratmeterpreis, sondern der Quadratmeter Zeit, den man sich zurückholt. Juve-Spieler kaufen sich keine Postleitzahl, sie kaufen sich Freiraum. Und der liegt in Turin eben nicht im Grünen, sondern zwischen zwei gelben Ampeln und einem Barista, der den Cappuccino schon auf dem Tresen stehen hat, bevor die Fußspitze die Schwelle berührt.