Juve-kader plötzlich vollzählig: spalletti kann jetzt wieder angreifen
Die Krankenstation ist leer, der Champions-League-Platz zum Greifen nah. Nach Monaten der Notlösungen kann Luciano Spalletti erstmals wieder aus dem Vollen schöpfen.

Die rückkehrer schütteln den titeltraum wach
Dušan Vlahović und Arkadiusz Milik waren erst der Anfang. Nun meldet sich auch Emil Holm zurück. Drei Namen, die in Turin wie Neuzugänge wirken. Der Serbe und der Pole feierten gegen Sassuolo schon Kurzeinsätze, der Schwede absolvierte diese Woche sein erstes Gruppentraining seit Weihnachten. Das Timing ist perfekt: Acht Spieltage, drei Punkte Rückstand auf Como, und erstmals wieder eine Karte, die mehr als elf Feldspieler zählt.
Spalletti hat in den letzten Wochen mit einer Not-Elf überlebt. Kalulu, Bremer, Locatelli, McKennie und Yildiz bildeten das Gerüst, dahinter lauerte der Bogenlampen-Traum eines kompletten Kaders. Jetzt ist er Realität. Die „4×4“-Offensive, die der Coach vor der Länderspielpause testweise spielen ließ, droht zur Normalität zu werden. Vlahović und Milik als Doppelsprintspitze, davor David als falsche Neun, Openda als Joker – das ist kein taktisches Kuddelmuddel mehr, sondern eine Drohkulisse für jeden Gegner.
Die Zahlen sprechen für sich: Juventus erzielte 52 Tore, nur Inter (66) und Überraschungsmann Como (53) sind effizienter. Die Frage war nie das Potenzial, sondern die Verfügbarkeit. Mit Vlahović, der am Montag eine Doppelrunde auf dem Trainingsplatz absolvierte, soll der Befreiungsschlag kommen. Sein letztes volles Spiel liegt acht Wochen zurück, doch die Knie sind sauber, die Sprungkraft laut Fitnessteam „über 90 Prozent“. Gegen Genoa will Spalletti ihn noch einmal von der Bank bringen, in Bergamo oder Bologna soll er von Anfang an laufen.
Die Konkurrenz blickt neidvoll. Atalanta fehlen Dybala, Lookman und Zappacosta, Como muss auf Dovbyk verzichten, selbst Inter rotiert mit dem Rücken zur Wand. Juve hingegen kann McKennie schonen, wenn Adžić endlich durchstartet, Conceicao und Zhegrova auf beiden Flügeln rotieren lassen und Perin im Tor bestehen, bis Di Gregorio wieder 100-prozentig ist. Kurz: Spalletti kann jetzt Plan A, B und C bespielen, ohne die Qualität zu verlieren.
Die Stimmung in der Continassa ist aufgeheizt, aber nicht hysterisch. „Wir haben die beste Phase der Saison vor uns“, sagte ein Betreuer, „und die schlechteste liegt hinter uns.“ Am 6. April gastiert Genoa, drei Tage später folgt der Pokalhalbfinal-Kracher gegen Milan. Wer dann noch von Verletzungspech spricht, wurde nicht zugehört. Spalletti hat seine Munition wieder. Jetzt muss er nur noch zielen.
