Fiorentina in sechs-tage-wahnsinn: vanoli jongliert mit not-elf und europa-traum

Dodo zieht mit durchgestrichenem Muskelbündel-Scan in die entscheidende Saisonphase – und den Rest der Truppe zerrt ein Kalender, der kein Erbarmen kennt. In 22 Tagen stehen für die Fiorentina sechs Pflichtspiele an, zwei Wettbewerbe, ein Ziel: retten und träumen.

Der Brasilianer hatte Samstag beim Abschlusstraining einen Schreckmoment erlebt, doch die Kernspinmühle spuckte keine Zerre heraus. Nur ein Hämatom, kein Seitenband, kein Saison-Aus. Dennoch: „Personalisiertes Programm“ heißt die Devise, Verona am 4. April steht unter Fragezeichen, und Vanoli kann sich keinen weiteren Ausfall leisten. Die Serie A will endlich den Relegations-Boden verlassen, die Conference League lockt mit dem Trophäen-Traum, der schon zweimal in der Verlängerung zerplatzte.

Rotation ist kein luxus, sondern überlebensstrategie

Rotation ist kein luxus, sondern überlebensstrategie

Die Lösung des Trainers ist ein Kartenmisch-Modell. Kean lief bisher in der Liga von Anfang an, Piccoli übernahm in Europa die Spitze – und traf. Brescianini darf Samstag ran, weil er in der UEFA-Liste fehlt; Fabbian fliegt nach London, wo er schon gegen Maccabi Tel Aviv die Uhr aufdrehte. Torhüter-Roulette: Christensen hütet den europäischen Kasten, De Gea die Liga. Die Jungen – Fazzini, Comuzzo, Fortini – warten auf ihre Minuten, weil die Stammkräfte keine 90-Minuten-Marathon mehr durchstehen.

Die Rechnung geht nur auf, wenn die Krankenliste schrumpft. Solomon ist zurück im Kader, Mandragora und Fortini steigen diese Woche ins Mannschaftstraining ein. Verona wird zur Feuerprobe: Sieg bedeutet Atemloch, Punkt wäre ein halbes Leck. Danach geht’s nach Selhurst Park, wo Patrick Vieira mit Crystal Palace auf Konter lauert – und wo die Fiorentina 2023 das Finale verlor.

Vanoli hat die Zahlen parat: fünf Siege aus den letzten sieben Pflichtspielen, nur zwei Gegentore. Die Defensive um Ranieri stabilisiert sich, der Mittelfeld-Motor um Bonaventura dreht wieder hoch. Doch der April frisst Kilometer: 1 600 km Flugreisen, drei Länder, zwei Zeitzonen. Die Physiotherapeuten haben Schlafphasen-Pläne, Ernährungs-Pakete, Eisbecken im Hotel. Wer da nicht pariert, fliegt raus – und die Saison mit ihm.

Die Stunde der Wahrheit tickt. In Florenz spricht man wieder vom „Scudetto della Salvezza“, dem kleinen Meister-Titel gegen den Abstieg. Und nebenan wartet der große Pokal, der endlich die rote Fahne ins Museum bringen soll. Vanoli lächelt nur: „Wir wollen beides – und wir haben die Karten dafür.“ Ob Dodo dabei mitläuft, entscheidet sich am Mittwoch beim Abschlusstraining. Die Uhr läuft.