Juan mata feiert down under ein revival, das selbst sturridge sprachlos macht
Wer vor sechs Monaten noch über 582 Minuten in der A-League gestolpert ist, führt heute die Scorer-Statistik an. Juan Mata, 37, frisch gekürt zum Spieler der beiden letzten Monate, schiebt Melbourne Victory mit fünf Treffern und zwölf Vorlagen in Richtung Meisterplay-offs – und seine Gegner in die Defensive.
Vom ruf „johnny kills“ bis zum australischen traum
Daniel Sturridge hatte ihn damals bei Chelsea schlicht Johnny Kills getauft, weil der kleine Spanier Tore und Assists im Schlaf servierte. Der Spitzname verblasste, als Mata bei Manchester United auf der Bank schmorte und anschließend in Kobe und Istanbul kaum noch Spielzeit sah. Nun ist der Kills-Modus zurück – nur eben 15.000 Kilometer weiter südwestlich.
Die Liga selbst twitterte vor zwei Wochen ein Foto von Mata mit der Kurzformel: „Unfassbare Wende.“ Gemeint war die Bilanz seit seinem Wechsel zu Melbourne Victory: 22 Partien, 17 direkt beteiligte Tore, 123 Hereingaben in den Strafraum – kein Mitspieler liefert häufiger scharfe Flanken. Dazu ein Kopfball gegen Central Coast, ein Fallrückzieher-Tor im Derby und ein Freistoß gegen Sydney FC, den Bruno Fernandes aus Carrington per Instagram feierte: „Aus der Distanz versenkt – klar, dass du triffst.“
Mata antwortete dem portugiesischen Nationalteam-Kollegen mit einem Lächeln und einem Satz, der die aktuelle Lage auf den Punkt bringt: „Ich lebe von dem, was ich liebe – und das ist Fußball, keine Altersvilla.“

Die zahlen sprechen eine sprache, die selbst zweifler verstummen lässt
Seit der Saison 2015/16, als er zehn Tore und zehn Assists für United verbuchte, erreichte der Weltmeister von 2010 nicht mehr diese Werte. Jetzt ist er zurück auf dem Niveau der Hochphase – und das bei einem Team, das sich vor zwei Jahren noch in der unteren Tabellenhälfte herumdrückte. Die Fans spüren die Trendwende: Melbourne Victory lag zuletzt drei Mal in Folge vor 20.000 Zuschauern im Ausverkauf, Mata-Shirts gehen weg wie warme Semmeln.
Trainer Patrick Kisnorbo schwärmt intern von Matas Mikro-Impulsen: „Er sieht Räume, bevor sie entstehen, und zwingt unsere jungen Flügelspieler, zwei Meter früher zu sprinten.“ Das klingt nach Schulunterricht – und genau das ist es. Der Spanier gibt Einheiten für U-21-Spieler, erklärt Positionsspiel mit Stock- und Ball-Konfigurationen und bringt lateinischen Temperament in die sonst so britisch geprägte A-League.
Doch der Club will mehr. Die Play-off-Tickets sind seit dem Sydney-Spiel restlos ausverkauft, der CEO spricht offen vom ersten Titel seit 2018. Mata selbst schränkt ein: „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber der Weg ist noch lang.“ Längst hat der Mittelfeldstratege Option für ein weiteres Jahr gezogen – ein klares Bekenntnis zu einem Projekt, das vor einem Jahr noch als Retiriebude galt.
Am Freitag gastiert Melbourne in Wellington. Mata wird wieder in der Startelf stehen, wieder die Eckfahnen bedienen, wieder den Ball in Lücken schieben, die nur er sieht. Die Liga feiert ihren neuen Helden, der eigentlich ein alter ist. Und irgendwo in London dürfte Daniel Sturridge grinsen – Johnny Kills lebt, nur eben unter australischer Sonne.
