Laura fuertes steigt wieder in den ring – mit gebrochenem finger und olympischem traum
Sie hat den Schmerz eingepackt wie ihre Bandagen. Laura Fuertes, Spaniens erste Olympiaboxerin, ist zurück – drei Monate nach der Operation, sechs Monate nach dem letzten Kampf. In einem Trainingscamp in Ungarn trat sie erneut zwischen den Seilen an. Der kleine Finger rechts: Titanplatte, drei Schrauben. Der Blick: klarer denn je.
Die 27-jährige Asturierin musste sich die falange des kleinen Fingers nageln lassen. „Werkstatt“, nennt sie den OP-Termin auf Instagram. „Auch wenn ich noch lange nicht bei 100 % bin, war das Durchschreiten der 16 Ringseile wichtiger als jedes Ergebnis“, schreibt sie. „I’m back. Und das Ziel bleibt.“

Von null referenzen bis olympia – eine spaniensaga
Als Laura das erste Mal boxte, gab es noch kein spanisches Frauen-Nationalteam. Keine Vorbilder, kein Förderprogramm, nur den Vater und den improvisierten Sandsack im Keller von Gijón. Sie wechselte vom Schwimm- zum Karateverein, landete im Asturbox-Club und verstand: Wasser und Kata waren Vorbereitung. Der Ring war Ziel.
2018 zog sie ins Centro de Alto Rendimiento nach Madrid. Kein Sponsoring, kein Hype, nur Trainingspläne und Nachtschichten als Fitnesstrainerin, um die Miete zu zahlen. Dann kam der Boom: Bronze bei der WM 2022, historisch. Erste Spanierin überhaupt auf einem Podest im weltweiten Boxverband. Ticket für Paris 2024, wieder historisch. Und jetzt? Der Comeback-Fight vor ungarischen Zuschauern war kein Test – es war eine Absage an alle, die meinten, Frauenboxen endet mit der ersten Verletzung.
Der Coach des spanischen Teams, Miguel Fernández, spricht offen: „Ihre Rückkehr nach drei Monaten ist medizinisch eigentlich verfrüht. Aber Laura ist kein medizinisches Protokoll, sie ist ein Phänomen.“ Die Ärzte haben ihr geraten, drei weitere Monate zu warten. Sie wartete drei Wochen.
Die nächsten Qualifikationskämpfe für Paris stehen im Mai an. Spanien hat nur einen olympischen Platz im Frauenboxen – und genau den hat sich Fuertes erkämpft. Die Konkurrenz schläft nicht: Irland, Türkei, Polen. Doch die Asturierin kennt Langstrecken. Als Kind schwamm sie 3.000 Meter, bevor andere ihre Bahn zogen. Jetzt boxt sie drei Runden, als wären es 30.
Die Zahlen sprechen für sie: 54 Kämpfe, 43 Siege, nur fünf K.o.-Niederlagen. Die einzige, die sie nicht auf der Statistik stehen hat, ist die Panik. Denn während manche Athleten sich nach Verletzungen fragen, ob es sich lohnt, hat sie sich längst ihre Antwort gehämmert: zwischen Titan und Knochen – und auf jede, die vor ihr in den Ring steigt.
