Madrid zittert mit: formel-e-krimi bis zur letzten kurve
Der letzte Atemzug der Motoren, dann ein Schrei, der den Jarama durchriss. Jean-Éric Vergne jagte sich in die Schikane, zog vorbei, und Madrid hatte seinen Hollywood-Moment: Formel E entschied sich in Kurve 33 von 33. 25 000 Zuschauer im Stehkoller, der König in der Königslodge und ein Land, das sich fragt, warum es diese Elektro-Raser nicht jedes Wochenende gibt.
Kein Mensch redete an diesem Sonntag über Reichweitenangst. Sie redeten über DS Automobiles, die nach elf Jahren, vier Titeln und 55 Podestplätzen die Steckdose ziehen. Französische Premium-Luxus-Karossen, die fortan durch Salzwasser statt durch Asphalt schnellen. „Wir wechseln ins SailGP“, sagte Markenchef Xavier Peugeot zwischen zwei Gläsern Rioja, „weil Segeln die neue Aerodynamik ist“. Klingt verrückt, rechnet sich aber: Dort treffen dieselben Ingenieure auf 50 Knoten statt 250 km/h und lernen, was Wind statt Downforce bedeutet.

Ein abschied, der keiner ist
Die Formel E war für DS nie ein Marketing-Gimmick. Sie war ein Kriegspfad gegen die deutsche Premium-Konkurrenz. „Wir haben Audi und BMW geschlagen, bevor sie sich selbst schlugen“, lachte Marketing-Direktor Bastien Schupp und tippte dabei auf ein DS 7 mit Bremsen, die beim Abbremsen Strom tanken statt Wärme. 140 Rennen, 18 Siege, vier Meisterschaften – das ist kein Saisonausklang, das ist ein Komplettabmarsch mit Siegespose.
Doch Madrid bekam nicht nur einen Abgesang, sondern ein Versprechen. Die Stadtkasse klingelt: Hotels ausverkauft, Bars bis drei Uhr morgens, U-Bahnen proppenvoll. Die Regionalregierung schickt schon mal den Kalender 2026 zur Prüfung. „Wir kommen zurück“, flüsterte ein Stellantis-Manager, während die Mechaniker die Box leerten. Wer in Spanien einmal einen König zum Durchdrehen gebracht hat, verliert das Land nicht aus dem Visier.
Die Zukunft heißt also Segeln. Klingt nach Yacht-Romantik, ist aber High-Sech: Kats, die auf Hydrofoils fliegen, GPS-Getriebe, die Böen vorhersagen, und ein Datensatz pro Runde, größer als ein Formel-1-Wochenende. Die Ingenieure, gestern noch Akku-Kühlung geplant, morgen Strömungslinien für Segel. „Wir verstehen Luft jetzt vom Wasser her“, sagt Peugeot. Und weil selbst ein Franzose Ehrgeiz hat, fügt er hinzu: „Unser Ziel ist es, die Deutschen auch auf See zu schlagen.“
Madrid wird wieder elektrisch werden. Bis dahin zieht DS ab, aber nicht ohne den Dreiklang der Sieger: Sichtbarkeit, Glaubwürdigkeit, Nachhaltigkeit. Wer 140 Mal startet, lernt, dass manchmal der beste Zeitpunkt zum Aufhören ist, wenn alle nach mehr schreien. Der Jarama wird nächstes Jahr wieder brüllen – und vielleicht segelt dann ein Stück Französland über die Tribüne. Die Formel E verliert eine Ikone. Die Welt gewinnt eine neue, salzige Meisterschaft. Und Madrid? Hat bereits den Terminkalender geöffnet.
