Juan bernat kehrt zurück: nach 287 tagen zitterpause der beweis, dass hoeneß sich irrte

Er kam, sah und wurde weggeschickt. Juan Bernat, einst für das Bayern-Chaos verantwortlich gemacht, betritt 287 Tage nach seinem letzten Pflichtspiel den Rasen von Ipurua – und lacht. Der Geburtstag des 33-Jährigen fällt auf den Tag seines Comebacks. SD Eibar schlägt Cádiz 3:1, Bernat spielt die letzten Minuten mit, als hätte er nie woanders gehört.

Die niederungen, die ihn retten

Eibar ist kein glamouröser Ort. 27.000 Einwohner, eine Stadion-Kapazität für 8.300 Zuschauer, dazwischen ein ehemaliger Champions-League-Sieger, der sich in die zweite Liga retten will. Die Basken lagen 2021 aus der Primera ab, seither versuchen sie vergeblich, wieder aufzusteigen. Bernat soll nicht nur Linksverteidiger sein, er soll Funken sprühen. „Ich hatte schon lange keinen Spaß mehr am Fußball“, sagt er nach dem Spiel. Die Aussage trifft wie ein Faustschlag. Ein Profi, der vier Jahre in München, fünf in Paris spielte, redet vom Spaß, als wäre er ein Jugendlicher im Kreisliga-Team.

Die Marca schreibt, seine „phänomenale Fitness“ habe alle überrascht. Die AS titelt: „Bernats Stunde schlägt.“ Keine Marketing-Phrasen, sondern Notwendigkeit. Sein Schambein war kaputt, der Vertrag bei PSG im Januar aufgelöst, Anrufe blieben aus. Er trainierte allein auf einem Kunstrasenplatz in Valencia, filmte sich, schickte Videos an Berater. Der Deal bei Eibar läuft nur bis Juni. Keine Option, keine Zukunft, nur das Jetzt.

Hoeneß‘ schmähe wird zur antriebsmaschine

Hoeneß‘ schmähe wird zur antriebsmaschine

Die Wunde, die nie verheilte, sitzt tief. Oktober 2018, München, „Pressevernichtungskonferenz“. Uli Hoeneß legt dem Linksverteidiger die fast-Blamage gegen Real Madrid in der Vorsaison in die Schuhe: Bernat habe „einen Scheißdreck gespielt“. Die Worte halten sich hartnäckiger als jede Trophäe. Bernat antwortet nicht mit Gegenattacken, sondern mit Minuten. Gegen Cádiz läuft er auf, gibt keine Fehlpässe, sprintet zweimal die Linie hoch. Die Zahlen sind bescheiden: 11 Ballkontakte, 9 Pässe, ein Zweikampf gewonnen. Die Botschaft: Ich bin noch da.

Guardiola, der ihn einst nach München holte, schickte eine SMS: „Stolz auf dich.“ Pep war der Grund, warum Bernat 2014 für 10 Millionen von Valencia nach Bayern wechselte. 113 Einsätze später folgte PSG, dann das Kreuzband, dann das Vakuum. Bernat‘ Lebenslauf liest sich wie ein Krimi mit zu vielen Cliffhangern. Ausgerechnet in Eibar, wo 2014 der Aufstieg mit einem 1:0 gegen Deportivo Alavés gefeiert wurde, soll das letzte Kapitel beginnen.

Die Uhr tickt. 40 Jahre will er werden, sagt er. Klingt nach Hollywood, ist aber einfache Mathematik: Wer nach fast einem Jahr Pause wieder spielt, glaht an das Unmögliche. Die zweite Liga ist kein Wellness-Club, die Gegner schlittern nicht aus Respekt. Am Sonntag steht das Auswärtsspiel in Huesca an. Ob Bernat von Beginn an aufläuft, entscheidet Trainer Gaizka Garitano. Der Name ist Programm: Garitano schaffte 2017 mit Eibar den Klassenerhalt in der Primera. Er weiß, dass manchmal ein 33-jähriger Außenverteidiger mit abgekämpfter Kniescheibe mehr Herz zeigt als ein 19-jähriger Tiktok-Star.

Die Fans feiern ihn trotz Pleite-Quote. Eibar hat 14 Heimspiele ohne Sieg, Bernat liefert die erste Dosis Adrenalin. Der Klub liegt 13 Punkte hinter dem Aufstiegsplatz, die Saison ist halbwegs gelaufen. Aber das ist Bernats Geschichte: Er kommt, wenn alle resignieren. Und vielleicht beweist er Hoeneß eines Tages, dass man auch in der zweiten Liga „einen Scheißdreck“ verspüren kann – nämlich den Moment, in dem der ehemalige Präsident merkt, dass seine Schmähe längst zu Bernats Treibstoff wurde.