Sein herz stoppte mitten im spiel: die tragödie von sebastian faißt, die handball-familie nie vergessen wird

Ein einziger Satz, dann war Stille. „Es geht einigermaßen. Aber ich kann nicht richtig sehen.“ 34 Minuten war das U21-Länderspiel in Schaffhausen alt, als Sebastian Faißt ohne Gegnerkontakt zusammenbrach. Kein Schlag, kein Foul, nur das Krachen seines Körpers auf dem Parkett. Die Ärzte kämpften eine Stunde, das Herz des 20-Jährigen wollte nicht mehr. 3. März 2009, der Tag, an dem der deutsche Handball seine Unschuld verlor.

Die halle wurde zur kapelle

Während das Team in der Kabine betete, lief der Ball draußen weiter. Dann kam die Durchsage, die keiner je wieder vergisst: Spielabbruch. Spieler kauerten sich auf die Knie, Trainer schluchzten laut, Zuschauer starrten auf die leere Stelle, wo eben noch ein Talent sprintete. Kurt Steuer, der Mannschaftsarzt, packte später aus: „Ich habe seine Augen gesehen – sie wussten, dass es vorbei war.“

Faißt war kein Normaltalent. Rechtsaußen, 1,92 m, Sprungkraft wie ein Trampolin. Vom Regionallisten HSG Konstanz nach Dormagen gewechselt, gerade 20, U21-Stammplatz, Blick auf die Bundesliga-Startformation. In Schutterwald und Alpirsbach hatte man ihn schon als „den Nächsten“ gehandelt. Die Obduktion in Zürich lieferte die grausame Antwort: natürlicher Tod, Herzversagen, kein Makel, nur ein Schicksal.

Seine nummer 18 wurde nie wieder getragen

Seine nummer 18 wurde nie wieder getragen

TSV Dormagen zog das Trikot aus dem Verkehr, die U21 löste sich für ein Jahr auf. Psychologen kümmerten sich um Kollegen, die sich Vorwürfe machten: War das Training zu hart? Hatten wir Warnzeichen übersehen? Die Antwort bleibt unausgesprochen: Sport ist kein Safe Space. Acht Tage später wäre Faißt 21 geworden. Sein Vater brachte statt Geburtstagskerzen eine weiße Rose in die Halle – und fand 18 weitere auf dem Boden, von Mitspielern, von Gegnern, von Fans.

Heute, 17 Jahre danach, erinnern junge Handballer sich nicht an sein Gesicht, sondern an die Geschichte, die ihnen die Trainer erzählen: „Spielt jedes Spiel, als wäre es euer letztes – aber hört auf euren Körper.“ Die Deutschen haben keine Statue für Faißt, aber in jeder Jugendmannung steht ein Kasten mit Notfall-Defibrillatoren. Ein kleiner Kasten, ein großes: „Was wäre wenn?“

Sein Name taucht nur noch in Jahrbüchern auf, doch wenn Freitagabend Bundesliga ist und eine Ampelkarte flattert, schweigt kurz die Halle. Kein Kommentator erklärt die Stille – jeder weiß, woran wir denken.