Jordan murray kollabiert am kac-bench und kämpft im koma ums leben

Die Stadionuhr zeigte Minute 18, da sackte Jordan Murray plötzlich auf der Bank des EC KAC zusammen. Sekundenbruchteile später herrschte absolute Stille im Klagenfurter Stadion, weil jeder mitbekam: Das ist kein harmloser Schwächeanfall, sondern Kampf um Leben und Tod.

Die Schockstarre war greifbar. Teamkollegen starrten auf den 33-jährigen Kanadier, der bewusstlos auf dem Beton lag, während Dr. Hannes Florianz und Dr. Günther Bachler sofort mit Reanimation begannen. Mehrere Minuten dauerte die Herzdruckmassage, bis ein Herzschlag wiederkehrte. Die ungarischen Gäste von Fehervar standen wie versteinert an der Bande, einige KAC-Spieler pressten die Helme gegen die Plexiglasscheiben, um nicht zusammenbrechen.

Der längste nachtflug der ungarn

Nach dem Abbruch reiste Fehervar sofort ab – ohne Neuansetzungstermin, ohne Protest, ohne Diskussion. Die Liga sprach von „unerlässlicher Menschlichkeit“, doch dahinter steckt pure Ratlosigkeit: Wann kann man überhaupt wieder Eishockey spielen, wenn ein Profi zwischen Leben und Tod schwebt?

Mittwochmorgen dann das erste Lebenszeichen: Murray erwacht aus dem künstlichen Koma, sein Zustand ist „aktuell stabil“, wie der Verein mitteilte. Stabil – ein Wort, das in dieser Situation so klingt, als hätte jemand den Jackpot geknackt. Dabei bedeutet es nur, dass die Ärzte den nächsten 48 Stunden mit klarem Kopf entgegensehen können.

Die Szene erinnert an Rich Peverley, der 2014 in Dallas während eines NHL-Spiels kollabierte und später mit Defibrillator weiterspielte. Doch Peverley war 31, Murray ist 33 – und war vor dem Zusammenbruch vollkommen beschwerdefrei. Das macht den Vorfall umso unbegreiflicher.

Die unterschwellige frage: warum jetzt?

Murray absolvierte in dieser Saison bereits 47 Pflichtspiele, zuletzt drei Partien in fünf Tagen. Die ICE Hockey League lehnt jede Überlastung ab, doch Spieler sprechen off the record über eng getaktete Reisen, Schlafmangel, den Druck, nie nein zu sagen. Ob das eine Rolle spielte? Die medizinischen Tests laufen, Antworten stehen aus.

Für den KAC brach eine Saison auseinander, die bislang nach Titel roch. Die Mannschaft führt die Play-off-Viertelfinal-Serie 2:1, doch das Ergebnis ist jetzt Makulatur. Kapitän Thomas Hundertpfund sagte nur: „Wir werden erst wieder Schlittschuh laufen, wenn Jordan wieder lachen kann.“

Die Liga verhandelt mit den Klubs über einen Benefiz-Tag, die Ticket-Einnahmen des nächsten Heimspiels sollen Murrays Familie zugutekommen. Bis dahin bleibt die Eishockey-Welt in Atem – und ein Kanadier mit österreichischem Herzschlag im Krankenhaus von Klagenfurt. Die nächste Stunden sind entscheidend. Die Ärzte nennen es „kritisch, aber nicht aussichtslos“. Für den Sport ist das ein Sieg schon vor dem nächsten Bully.